Die Beyer Uhr

Diese Uhr ist ein Ebenbild unserer Aussenuhr. Seit Jahrzehnten dient sie als Erkennungszeichen von Beyer und ist an der Bahnhofstrasse von weither ersichtlich.

Im Diamantenfieber

Wir besuchten das Zentrum des Diamantenhandels, die Diamond Exchange in Tel Aviv. In drei modernen, mit Brücken und Tunnels verbundenen Hochhaustürmen arbeiten rund 7000 Menschen. Hier werden die wertvollen Steine gekauft und verkauft, importiert und exportiert, gespaltet und geschliffen, versichert und für den Transport in alle Herren Länder verpackt. Kein Wunder sind die Sicherheitsvorkehrungen rigoros.

Jonathan Rachminov hat Carlo Mutschler, den Leiter des Beyer-Goldschmiede-Ateliers, nach Tel Aviv eingeladen, um ihm nicht nur die Firma Rachminov vorzustellen, sondern auch die eigentlichen Stars des Diamantgeschäfts – die Schleifer. Kaum ein anderer Beruf ist mit so viel Mythos verbunden wie der Diamantschleifer. Er hat es in der Hand, ob ein Stein massiv an Wert gewinnt oder verliert. Er kann den verborgenen Kern fast schon riechen und besitzt einen siebten Sinn dafür, wie dieser zum Leuchten gebracht wird.

Dort, wo sich die unspektakulären Rohdiamanten in schillernde Kunstwerke verwandeln, ist es laut und halbdunkel. Männer im mittleren Alter und drüber sitzen konzentriert an ihren Werktischen; jeder hat eine andere Aufgabe. Am Anfang der Bearbeitungskette steht Omry, Fabrikmanager und Cousin der Rachminovs. Er analysiert Steine ab zwei Karat und erstellt einen Plan, wie die Rohlinge zu behandeln sind. Früher wurde dies mit blossem Auge gemacht. Heute gibt es dafür einen Computer, die Sarine-Maschine, benannt nach ihrem israelischen Erfinder.

Der Rohdiamant wird maschinell dreidimensional ausgemessen, seine Struktur erscheint auf einem Bildschirm. Der Computer macht Vorschläge zur Verarbeitung: Was ist profitabler, den Stein als Ganzes zu belassen oder ihn zu spalten und zwei kleinere Diamanten zu fertigen, die in der Gesamtsumme einen grösseren Ertrag bringen?

Auch Omrys Vater, Grossvater und Urgrossvater waren im Diamant-Geschäft tätig, typisch für diese Gilde. Denn den Beruf des Schleifers kann man nicht lernen, die Fähigkeit geht oft vom Vater auf den Sohn über. So einfach von aussen kommen und ein bisschen schleifen zu üben, wäre auch schlicht zu teuer: Ein halber Millimeter am falschen Ort kann tausende von Franken bedeuten. Ausserdem besteht die Welt der Diamantenschleifer aus unzähligen Spezialgebieten.

Der Weg vom Rohdiamanten zum geschliffenen Stein ist ein langwieriger Prozess, er kann gut und gern vier Wochen dauern – bei einem sehr wertvollen Stein sogar Jahre. Da geht man nur mit Menschen Geschäfte ein, die man kennt. Auch wenn noch vieles läuft wie eh und je: Auch im Diamanten-Geschäft ersetzen Maschinen zunehmend Menschen – und entmystifizieren entsprechende Fähigkeiten. Inzwischen können sogar mögliche Einschlüsse im Rohdiamant sichtbar gemacht werden, ein wichtiges Kriterium für die Reinheit des Diamanten. Der Diamanthandel verliert damit ein wenig seinen Kitzel und die Technik treibt die Preise hoch. Denn nun weiss auch bereits der Minenvertreter, welches Potenzial der Rohdiamant birgt.

Das letzte Geheimnis der Rohdiamanten lüftet jedoch auch die neueste Technologie nicht – die Intensität der Farbe, die sich erst durch den perfekten Schliff entfaltet. So kann aus einem grünen Rohdiamanten ein sehr wertvoller Brillant entstehen – oder aber der Stein schimmert nach dem Schleifen überraschend in Weiss. Ein Unterschied, der sehr viel Geld bedeutet. Es ist ein bisschen wie beim Roulette: Erst am Schluss, weiss man, wie hoch der Gewinn wirklich ist.  

Auf Einkaufstour für die Firma Beyer

Carlo Mutschler kauft primär Steine, die er zu Hause zu Prêt-à-Porter-Schmuckstücken verarbeiten kann. Derzeit kauft er viele blaue und pinkfarbene Steine, da die Nachfrage nach solchen sehr gross ist. Carlo Mutschler bekommt von Herszaft und Ori Rachminov an diesem Nachmittag fast im Minutentakt neue Diamanten präsentiert, jeder von ihnen eingewickelt in ein einfaches Blatt Papier, „Briefken“ genannt – allesamt die Crème de la Crème dessen, was derzeit zu bekommen ist. Nur die besten Stücke werden der Firma Beyer angeboten.

Carlo Mutschler schlägt unter anderem bei einem 1,60-Karat Stein zu. Er sieht bei jedem Stein ein Potenzial, ein Restrisiko bleibt trotzdem immer bestehen. Am Ende wird jeder Kauf traditionsgemäss mit einem Handschlag besiegelt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. In Ramat Gan wird man an seinem Wort gemessen. Wer dieses bricht, der ist höchstens so viel wert wie ein Stein, dem ein ungeübter Schleifer den Glanz genommen hat.

Diamantenhändler Ori Rachminov, Marcel Herszaft und Jonathan Rachminov

Gebrüder Rachminov

Sie gehörten in den 1940er Jahre zu den Pionieren der aufstrebenden Diamantindustrie in Israel und entwickelten sich von reinen Diamantschleifern zu einem der wichtigsten Lieferanten europäischer Juweliere. Heute wird das Unternehmen in dritter Generation von Jonathan und Ori Rachminov und ihrem Partner Marcel Herszaft geführt. Im Inventar der Rachminovs befinden sich einige Tausend Diamanten, die alle vom Gemological Institute of America (GIA) zertifiziert wurden.

Die Firma hat ihren Hauptsitz an der Diamond Exchange in Tel Aviv, dem weltweit grössten und wichtigsten Umschlagplatz für Rohdiamanten. Im Zentrum der drei Hochhäuser steht die Diamanten-Börse. Gibt es unter den hier ansässigen Handelsunternehmen Streit, so wird im gegenseitigen Einverständnis ein Laienrichter gewählt, der die Angelegenheit innerhalb der Gemeinschaft regelt. Im Gebäude gibt es Gesellschaftsräume für Pensionierte, wo sie Schachspielen können, und aus einem Fonds werden mittellos gewordene Diamanthändler unterstützt.  

Tipps und Erklärungen von Carlo Mutschler

1. Feste Werte

In 20 bis 30 Jahren werden die Primär-Lagerstätten langsam zur Neige gehen. Diamanten werden noch rarer, die Nachfrage aber wird massiv steigen, was den Werterhalt der Steine auf lange Zeit sichert.

2. Farbe ist Trumpf

Für die seltensten Diamanten, die farbigen, werden Millionenbeträge bezahlt. Gelb werden sie durch den Stickstoff im Kristallgitter, blau durch Bor und rot durch eine Deformation des Gitters während der Kristallisation.

3. Nachschliff

Ein Recut verhilft vererbten Brillanten ohne Leuchtkraft (bei genügend Gewichtsreseven) zu neuem Leben und zu höherer Lichtreflexion. 3-D-Scanner errechnen den bestmöglichen Schliff.

4. Mysterium schwarz

Schwarze Diamanten sind Unglücksraben: Ihr Wert ist ein Bruchteil desjenigen eines feinen weissen Steines, da sie mangels Druck im Magma wieder zu Kohlenstoff dekristallisiert sind. Zudem sind sie rissig und bröckeln leicht.

5. Faustregel

Die neue Qualitätsformel für Investment-Diamanten lautet: D (Farbe), Flawless (keine inneren/äusseren Unreinheiten), Triple Excellent (Schliff, Symmetrie, Polierung) - alles mit einem Zertifikat der G.I.A.

6. Fair Trade

Minengesellschaften sorgen für fairen Abbau und Handel, das Kimberley-Abkommen und dessen Mitgliedstaaten für konfliktfreie Distribution. Bald werden eingelaserte Hologramme die Herkunft eines Steins deklarieren.