Die Beyer Uhr

Diese Uhr ist ein Ebenbild unserer Aussenuhr. Seit Jahrzehnten dient sie als Erkennungszeichen von Beyer und ist an der Bahnhofstrasse von weither ersichtlich.

1. Aller Anfang

2. Wanderjahre

3. Schweizermacher

4. Die Generationen

Das waren noch Zeiten: Stephan Beyer (sitzend) 1863 mit seinen Söhnen. Der Zweite von rechts ist Theodor Beyer, der Urur-Grossvater von René Beyer.

5. Gemischtwarenladen

6. Auf nach Zürich

7. Die starken Frauen

Die Reformerinnen: Marie Valentine Meylan und die Retterin: Karoline Beyer-Danioth.

8. Goldenes Handwerk

9. Preiswürdig

10. Verstimmung

Verliess das Geschäft: Adelrich Beyer jun.

11. Sale!

Die Beyer-Aktion sorgte für Gesprächsstoff, Ärger beim Verband - und Gegeninserate.

12. Neue Räume

Adelrich Beyer (rechts) vor dem Gebäude der Crédit Suisse 1910.

13. Motorsport

Er liebte Motoren, das Tempo und den Jazz: Theodor Julius Beyer am Klausenpassrennen.

14. Krise

15. Der Wert von Freundschaften

16. Abenteuerlich

Die Uhr, mit der Sir Hillary den Mount Everest bestieg.

17. Zeitzeugen

18. Kompetenz

Theodor Beyer bei der Inventur im Museum des Topkpi Palasts in Instanbul.

19. Museum

20. Generationenwechsel

21. Schmuckstück

22. Die Schwester

Fahrstunden: Muriel und René Beyer.

23. Die Beyer-Uhr

24. Der Lauf der Zeit

Pflegt eine weltberühmte Sammlung mit antiken Puppen-Automaten: Annette Beyer 1983 mit der «Pianistin» (Paris, 1865).

25. Die Uhrenmarken

1. Aller Anfang
2. Wanderjahre
3. Schweizermacher
4. Die Generationen
5. Gemischtwarenladen
6. Auf nach Zürich
7. Die starken Frauen
8. Goldenes Handwerk
9. Preiswürdig
10. Verstimmung
11. Sale!
12. Neue Räume
13. Motorsport
14. Krise
15. Der Wert von Freundschaften
16. Abenteuerlich
17. Zeitzeugen
18. Kompetenz
19. Museum
20. Generationenwechsel
21. Schmuckstück
22. Die Schwester
23. Die Beyer-Uhr
24. Der Lauf der Zeit
25. Die Uhrenmarken
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Beyer Saga

In Dokumenten von 1760 wird erstmals ein Uhrmacher namens Beyer erwähnt.

Ursprünglich stammt die Familie Beyer aus dem deutschen Donaueschingen im Südwesten von Baden-Württemberg, wo die Beyers als Uhrmacher und Händler tätig waren. Der 23-jährige Stephan Beyer bringt den Namen 1822 in die Schweiz: Auf seinen Lehr- und Wanderjahren arbeitet der gelernte Gross- und Kleinuhrenmacher zuerst in Basel, später in Schaffhausen beim Uhrmacher Wildberger. Dort lernt er seine spätere Frau Katharina Gärtner kennen (Kapitel 7), mit der er die Schweizer Beyer- Dynastie begründet.

Katharina Gärtner zuliebe bleibt Stephan Beyer in der Schweiz und bewirbt sich 1827 um das Schweizer Bürgerrecht. Nicht in ihrem Wohnort Feuerthalen. Dort wäre es aussichtslos: Stephan Beyer ist Katholik, Feuerthalen ein reformiertes Dorf. Also versucht er es in Rheinau, dem Bürgerort seiner Verlobten, auf der anderen Seite des Rheins. Es wird auch in diesem katholischen Ort knapp. Die Rheinauer Gemeindeversammlung spricht sich mit 30 gegen 27 Stimmen für die Einbürgerung aus.

Matthäus Beyer / 1712 – um 1800
Katharina Götz / 1724 – 20.12.1802
Hochzeit: 16.7.1754

Martin Beyer / 1766 – 5.6.1829
Katharina Merz / 21.9.1771 – 25.1.1828
Hochzeit: 2.3.1795

Stephan Beyer / 1799 – 26.7.1863
Katharina Gärtner / 26.7.1805 – 19.6.1864
Hochzeit: 10.9.1827

Theodor Beyer / 15.10.1827 – 21.3.1870
Karoline Danioth / 15.11.1831 – 19.2.1915
Hochzeit: 1853

Adelrich Beyer / 20.11.1858 – 31.10.1915
Marie Valentine Meylan / 6.4.1858 – 10.11.1892
Hochzeit: 26.5.1883

Anna Brügger / 5.11.1864 – 19.6.1944
Hochzeit: 26.7.1894

Theodor Julius Beyer / 19.4.1887 – 3.6.1952
Emilie Mathys / 14.8.1900 – 7.10.1955
Hochzeit: 3.7.1922

Theodor René Beyer / 20.7.1926 – 19.8.2002
Annette Wild / 13.7.1933
Hochzeit: 8.7.1961

René Beyer / 5.6.1963

In Feuerthalen gründet Stephan Beyer um 1830 eine «Uhrenmacherei und Spezerei». Spezereien sind Gewürze; und vermutlich reist der Uhrmacher auch als Händler an die Märkte der näheren und weiteren Umgebung. Noch kann die Familie von der Uhrmacherei allein nicht leben.

Die Familie Beyer beweist früh ein Gespür für gute Geschäftslagen. Theodor Beyer, der älteste Sohn von Stephan Beyer, eröffnet 1860 ein Uhrengeschäft an der Niederdorfstrasse, schon damals eine der besten Lagen der Stadt. Das Haus liegt praktischerweise zwischen Niederdorfstrasse und Limmatquai: Als sich später das Geschäftsleben am Quai konzentriert, richtet Theodor Beyer seine Schaufenster einfach auf der anderen Seite ein.

Ab 1863 führt Theodor Beyer das Geschäft gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Johann Gustav, man nennt sich «Gebrüder Beyer». Die Einigkeit ist allerdings von kurzer Dauer. 1867 eröffnet Johann Gustav ein eigenes Uhrengeschäft in Riesbach und Theodor Beyer ändert den Firmennamen in «Th. Beyer». 1877 erfolgt der Umzug in das stattliche neue Gebäude der Schweizerischen Kreditanstalt am Paradeplatz

Man muss mit der beherztesten Ehefrau beginnen: Karoline Beyer-Danioth ist es, die 1870 die noch junge Uhrendynastie rettet. 16 Jahre zuvor hatte die Tochter einer Hoteliersfamilie aus Andermatt Theodor Beyer geheiratet, gemeinsam hatte man das Uhrmachergeschäft von Feuerthalen nach Zürich verlegt, und Karoline liess sich sogar, unüblich für eine Frau, zur Uhrmacherin ausbilden.

Doch mit nur 42 Jahren stirbt Theodor Beyer. Sohn Adelrich ist erst zwölf. Aber Karoline Beyer-Danioth denkt nicht daran, aufzugeben. Sie übernimmt die Führung, baut das Geschäft aus und schafft es 1877, repräsentative Räumlichkeiten im neu erstellten Prachtsbau «Palais de Crédit Suisse» an der Bahnhofstrasse zu mieten. 16 Jahre lang lenkt sie die Geschicke der Firma.

Bereits Karoline‘s Schwiegermutter, Katharina Gärtner, hatte gewusst, was sie wollte. Zum Beispiel: nach der Heirat in der Schweiz bleiben. In seinem Einbürgerungsgesuch 1827 schreibt ihr Verlobter Stephan Beyer (Kapitel 3), er habe sich Katharina «zu Gefallen » entschlossen, das Schweizerische Bürgerrecht zu beantragen. Diese ist bereits im fünften Monat schwanger, damals nichts Ungewöhnliches. Sie wird ihrem Mann 13 Kinder gebären, wovon nur fünf das Erwachsenenalter erreichen. Der Älteste, Theodor, wird später die Firma fortführen, die dank seiner Mutter in der Schweiz statt in Deutschland aufgebaut worden ist.

Marie Valentine Meylan hingegen reformiert die Familie. Sie ist die Schwiegertochter von Karoline Beyer-Danioth, die ihren Sohn für ein Volontariat zu Patek Philippe nach Genf geschickt hatte. Dort lernt der junge Adelrich die gleichaltrige Berufskollegin Marie Valentine kennen. Sie stammt aus einer bekannten Uhrmacherfamilie. Ihr Grossvater hatte die Meylan-Uhren gefertigt, die zu den feinsten ihrer Zeit gehörten. Die Liebe scheint im Himmel geschlossen, aber die Kirche ist dagegen. Denn Marie Valentine ist reformiert. Adelrich heiratet sie 1883 trotzdem, worauf die gesamte Familie Beyer aus der katholischen Kirche ausgeschlossen wird und zum reformierten Glauben übertritt. 1887 kommt Sohn Theodor Julius zur Welt. Er hat zwei Schwestern. Mit nur 34 Jahren stirbt Marie Valentine im Kindsbett. Adelrich heiratet nochmals und bekommt zwei Söhne: Adelrich jun. wird sich Jahre später mit seinem Halbbruder Theodor Julius zerstreiten (Kapitel 10). Theodor Julius heiratet 1922 Emilie Mathys. Sie ist erst 22 Jahre alt, aber eine starke Persönlichkeit. Trotz kleiner Kinder hilft sie tatkräftig im Geschäft mit. Mit ihrer selbstbewussten Art ist sie der Zeit voraus und schafft sich nicht nur Freunde. Aber sie hält den Betrieb aufrecht, wenn ihr Mann in Zermatt als Gasttrompeter von Jazzorchestern auftritt. Emilie Beyer- Mathys hat ein Herz für Studenten, schenkt ihnen heissen Kaffee aus und steckt ihnen auch mal ein Zwanzigernötli zu. Sie fährt als eine der ersten Zürcherinnen Auto und präsidiert von 1931 bis 1933 die Damensektion des ACS Zürich. Auch pflegt Emilie Beyer-Mathys einen regen Austausch mit Freunden im Ausland, etwa mit dem berühmten Komponisten Franz Lehár und seiner Gattin Sophie, und schickt während der Kriegsjahre Pakete mit Kaffee, Schokolade und Butter in alle Welt.

Seit je gilt bei Beyer der Grundsatz: Gutes Handwerk will gelernt sein. Sämtliche Inhaber absolvieren eine gründliche Lehre. So schickt auch Adelrich Beyer Sohn Theodor Julius an die berühmte Uhrmacher-Schule in Genf und zu den besten Uhrmachern in London, Brüssel und Paris. 1911, mit 24 Jahren, steigt Theodor Julius ins väterliche Geschäft ein.

Beyer lanciert einen legendären Wettbewerb und sucht den schönsten Entwurf einer Tisch-, Wand- oder Standuhr. 1200 Modelle werden eingereicht. Kein Wunder: Man schreibt das Jahr 1918, Kriegsende und Generalstreik, ein Sechstel der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum. Die Preissumme von Beyer ist schwindelerregend hoch. 4000 Franken – das entspricht mehr als 400 Tageslöhnen eines Arbeiters.

Ab 1915 führen zwei Brüder die Firma, genauer: zwei Halbbrüder. Theodor Julius Beyer ist der Sohn der ersten Frau von Adelrich Beyer (Kapitel 7). Adelrich Beyer jun. entstammt der zweiten Ehe. Die Zusammenarbeit funktioniert nicht. Theodor Julius führt von 1920 bis 1922 einen Prozess gegen seinen jüngeren Bruder. Darin wirft er Adelrich vor, dieser erscheine zu spät oder gar nicht zur Arbeit, und wenn, erledige er nichts Sinnvolles, halte die Angestellten mit faulen Witzen auf und Verliess das Geschäft: Adelrich Beyer jun. richte mit seinem Lebenswandel «insgesamt grossen Schaden bei der Firma» an. Die Klage wird schliesslich zurückgezogen, die Brüder einigen sich aussergerichtlich. Adelrich lässt sich auszahlen. Theodor Julius führt das Geschäft ab 1922 allein und nennt es «Chronometrie Beyer, Zürich».

1922 verkauft Beyer Uhren mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent, zum Teil sogar unter dem Selbstkostenpreis. Der Zürcher Uhrmacher-Verband ist verärgert und schaltet ein Inserat, in dem vor solchen Geschäften gewarnt wird. Interessantes Detail: Theodor Julius Beyer, der damalige Inhaber der Beyer Chronometrie, ist Präsident dieses angriffslustigen Verbands.

Fünfzig Jahre lang geschäftete die Firma Beyer im «Palais de Crédit Suisse» an der Bahnhofstrasse, einem Prunkbau von Alfred Escher. Doch 1927 braucht die Schweizerische Kreditanstalt mehr Platz und kündigt den Vertrag. Das kommt Beyer nicht ungelegen. Im brandneuen Orell Füssli-Hof an der Bahnhofstrasse 31 können endlich grössere Räume gemietet werden. Beyer ist bis heute an dieser exklusiven Adresse ansässig.

Nicht nur als Inhaber von Beyer und Präsident des Uhrmacher-Verbands tritt Theodor Julius Beyer in Erscheinung: Er präsidiert auch den Zürcher Motorradclub und wird später Mitglied der Sportkommission des ACS. Die Begeisterung für heisse Räder gründet in seiner Tätigkeit als Zeitmesser bei grossen Rennen, insbesondere beim Klausenpassrennen. Und beschränkt sich nicht darin: Theodor Julius Beyer ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, der selbst an solchen Rennen mitfährt.

Ein trauriges Jahr für die Familie Beyer. Als Folge der Weltwirtschaftskrise muss sie 1934 ihr schönes Haus am Zürichberg verkaufen und in eine bescheidene Wohnung im Kreis 3 umziehen.

1936 hängt die Existenz von Beyer an einem dünnen Faden, ein Schicksal, das man während der Weltwirtschaftskrise mit vielen Firmen teilt. Der Sturz diverser Fremdwährungen, das Fernbleiben deutscher Kundschaft und die Warenentwertung machen dem Geschäft zu schaffen. Doch zahlen sich die guten und langjährigen Beziehungen aus: Banken springen ein, der Vermieter reduziert den Mietzins. Und da Beyer in der Vergangenheit Lieferanten wie Rolex und Patek Philippe in schwierigen Zeiten unterstützt hat, revanchieren sich diese nun für die Hilfe (Kapitel 25). Gemeinsam schafft man es, das Geschäft durch die schwierigen Jahre zu bringen.

Diese Uhr ist wahrlich weit gereist, bevor sie um 1960 in der Sammlung Beyer landet. Doch sollte es noch 50 Jahre dauern, bis mit modernsten wissenschaftlichen Techniken bewiesen wird: Der Prototyp einer Rolex Explorer war die erste Uhr auf dem höchsten Punkt der Erde. Sir Edmund Hillary trug sie bei der Erstbesteigung des Mount Everest im Jahr 1953. Die Abenteureruhr ist heute in einer Vitrine des Uhrenmuseums Beyer zu bestaunen (Kapitel 19).

Als Patek Philippe mit der Produktion von elektrischen Uhren beginnt, folgt ihr Beyer 1968 in diesen Branchenzweig. Die Abteilung für elektronische Zeitmessung und Akustik existiert bis 1993. Von der Treffpunktuhr im Hauptbahnhof Zürich über die Anzeigen der Forchbahn bis zur Blumenuhr am Bürkliplatz prägen Beyer-Uhren auch heute noch den öffentlichen Raum.

Über die Jahre hat sich in der Familie Beyer ein enormes Wissen über die Zeitmessung angesammelt. Auch offizielle Stellen wie das Landesmuseum greifen gern auf die Beyers zurück. 1971 reicht der Ruhm bis nach Istanbul. Theodor R. Beyer und Gattin Annette Beyer-Wild (Kapitel 24) werden ins Museum des Topkapi Palasts eingeladen, um die Uhrensammlung zu inventarisieren. Aus der Reise entsteht eine lebenslange Verbundenheit mit dem Museum und seinen Machern.

Die private Uhrensammlung von Theodor R. Beyer ist inzwischen sehr umfangreich und das grosse Untergeschoss des Geschäfts an der Bahnhofstrasse ungenutzt. Zwei Tatsachen, eine Idee: Die Sammlung wird dem breiten Publikum zugänglich gemacht. 1971 öffnet das Uhrenmuseum Beyer im Untergeschoss seine Tore.

1986 erleidet Theodor R. Beyer einen Herzinfarkt. René Beyer bricht seine Lehr- und Wanderjahre in den USA ab und übernimmt die Führung des Familienbetriebs zusammen mit seiner Mutter Annette Beyer. 1996 geht die operative Leitung ganz an den damals 33-Jährigen über – und damit an die achte Generation. Beyer verordnet dem Geschäft innen wie aussen ein Total-Lifting.

Auf Initiative von Annette Beyer führt das Familienunternehmen 1989 den Verkauf von Schmuck ein, mit grossem Erfolg. 2002 entscheidet man sich, ein eigenes Schmuckatelier aufzubauen. Heute feilen sechs Goldschmiede erfolgreich an Träumen in Gold und Juwelen.

Muriel Zahn-Beyer (1964), die Schwester von René Beyer, kehrt 1994 aus den USA zurück und übernimmt im Familienbetrieb Personalwesen und Marketing. Sie entwickelt das neue Museumskonzept und die Strategie für das Schmuckatelier. 2003 verlässt sie das Unternehmen, um sich mit einer Personalagentur selbstständig zu machen. Muriel Zahn, René Beyer und Dr. Peter Max Gutzwiller bilden mit Annette Beyer als Ehrenmitglied den Verwaltungsrat der Beyer Chronometrie.

Es ist erneut ein Geschäft unter Freunden: René Beyer stellt der jurassischen Uhrenmanufaktur Aerowatch bei der Reorganisation sein Know-how zur Verfügung. Im Gegenzug fertigt der Familienbetrieb Aerowatch eigenständige Beyer-Zifferblätter in unterschiedlichen Preisklassen. 2003 kommt die erste Beyer-Armbanduhr auf den Markt.

Annette Beyer begleitete ihren Mann auf der Suche nach seltenen Uhren um den Globus, stand 15 Jahre im Geschäft und beeindruckt noch heute als Dame von Welt.

Frau Beyer, was war früher anders? Wir übernahmen das Geschäft mit roten Zahlen mitten im Krieg, als niemand Geld hatte. Und wir waren treuer: Für uns gab es nur Patek Philippe, Rolex und Chopard. Mit diesen Familien verbanden uns enge Freundschaften. Heute ist das Sortiment breiter, das Unternehmen hervorragend positioniert. Trotzdem sagen meine Kinder, es sei schwieriger, die Firma zu führen. Das Personalwesen hat sich verändert, die Uhrenmarken werden zunehmend von Managern geführt, nicht mehr von Patrons.

Welchen Luxus gönnten sich die Beyers damals, in der harten Zeit? Sie hatten sehr früh schon ein Auto, das neunzigste im Kanton Zürich. Ich fahre noch heute mit der Nummer ZH 1090. Das war bestimmt ein besonderer Luxus.

Die Beyer-Frauen waren schon immer starke Persönlichkeiten. Warum? Weil wir mussten: Entweder war Krieg, der Mann starb früh oder er interessierte sich nur mässig fürs Geschäft. Jemand musste schauen, dass es weiterging. Und wenn man im Geschäft stand, war man Frau Beyer und hatte mit Königen zu tun, mit Schauspielern und Musikern.

Oder mit Maradona – wie war er so? Völlig normal. Damals, zu seiner Glanzzeit, trainierte er mit seinem Team in Zürich. Er rief jeden Tag an, ob ich da sei, und kam dann vorbei. Er kaufte sich die «Nautilus » mit Brillanten, also eine Damenuhr.

Auch seine Verlobte und ihre Mutter bekamen schöne Uhren – und seine Kollegen, die ihm gute Pässe zugespielt hatten. In acht Tagen verkaufte ich ihm zwölf Uhren.

Was gefiel Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit? Mein Mann lief immer durch den Laden in der Hoffnung, dass ihn niemand anspricht. Ich aber liebte diese Arbeit an der Front, die Kunden aus aller Welt. Und ich denke, sie mochten auch mich. Viele brachten Geschenke mit: Blumen, Pralinen, Wein. Manche erzählten, wie sie als Kind an der Hand des Vaters in unser Geschäft kamen. Heute besuchen sie uns mit ihren Enkelkindern. Oder sie schicken jedes Jahr Neujahrskarten, wie der Jazzpianist Oscar Peterson.

Sie reisten viel mit Ihrem Mann. War das so aufregend, wies klingt? Es war oft spannend, aber manchmal auch sehr langweilig: In den Antiquariaten verschwand mein Mann sofort in der Uhrenecke und konnte dort tagelang verweilen. Mich zog es eher zu alten Spielzeugen. So kam ich auf die Puppen-Automaten, die ich leidenschaftlich zu sammeln begann und über die ich ein ausführliches Buch schrieb.

Die Uhren interessierten Sie weniger? Natürlich interessierten sie mich. Es kam auch vor, dass ich meinem Mann an einer Auktion half. Ich sagte ihm ja oft, er solle nicht alles Geld für Uhren ausgeben. Bei der berühmten «Sympathique» von Breguet getraute er sich deshalb nicht, noch höher zu gehen. Da bot ich weiter. Und machte ihm eine grosse Freude damit.

Wenn Sie nochmals am Anfang stünden, was würden Sie anders machen? Ich würde wohl alles nochmals genau gleich machen. Natürlich gehörte auch Glück dazu, dass es so gut lief. Aber wenn man positiv denkt, kann man dieses Glück auch ein bisschen beeinflussen.

Beyer vertrat stets die besten Uhrenmarken ihrer Zeit. Aus dem 19. Jahrhundert sind nur noch Patek Philippe und IWC im Sortiment. Doch kamen hervorragende neue Marken dazu.

Patek Philippe, ca. 1842
IWC, 1893
Rolex, 1932
Jaeger-LeCoultre, ca. 1932
Chopard, 1972
Breguet, 1984
Breitling, 1984
Cartier, 1984
A. Lange & Söhne, 1994
Baume & Mercier, 1997
Piaget, 2000
Hublot, 2006
Jaquet Droz, 2006