Am Limit

Der Giro d’Italia ist Mythos und Legende. Die Ausgabe 2025 fuhr Yannis Voisard als einziger Schweizer mit. Eine Begegnung mit dem etwas anderen Bergfloh aus Montreux.

Was niemand ahnte am 16. Renntag in der mörderisch steilen Bergwelt über dem Gardasee: Yannis Voisard fuhr nicht nur zur Unterstützung von Teamleader Michael Storer, sondern lauerte auf seine eigene Chance. An der morgendlichen Strategiesitzung im Teambus hatte er vom Coach die Order erhalten, auszubrechen, wenn die Situation es erlaube. Sprich: Wenn Storer gerade nicht im Windschatten den Berg «hochgezogen» werden muss. «Ich war nervös», erzählt Voisard. «Eine solche Freikarte bekommt man nicht jeden Tag. Und ich wusste: Es wird wenig bis keinen idealen Moment für einen Angriff geben.»

Vielleicht muss man an dieser Stelle kurz verdeutlichen, was eine solche Hochgebirgsetappe selbst für die besten Profis der Welt bedeutet. Man sitzt seit zwei Wochen täglich im Sattel und presst das Äusserste aus seinem Körper. Weit über 2400 Kilometer liegen hinter einem. Vielleicht schmerzt der Magen, weil man, um den Kalorienverlust auszugleichen, Mengen an Energy-Gels schlucken muss. Zu den körperlichen Strapazen kommen mentale Herausforderungen, Übermüdung, der Anspruch an sich selbst, strategische Anweisungen des Teamchefs. Vielleicht wird man in einen Massensturz verwickelt. Wahrscheinlich kommt es im dichten Hauptfeld zu Psychospielchen. Oder man teilt die Kraft falsch ein auf diesen 203 Kilometern mit 4900 Höhenmetern, Steigungen zwischen 9 und 14 Prozent und einem Durchschnittstempo von 36,3 km/h.

Tudor Velo am See
Yannis Voisard geniesst die Ruhe in seinem Zuhause in Montreux.
Bringt mit 56 Kilo das ideale Gewicht für Bergetappen mit: Yannis Voisard in seiner Wohnung.

Doch genau solche Extreme liegen Yannis Voisard, dem 27-jährigen Bergfloh aus Montreux. Er ahnte: Der zweitletzte Anstieg vor dem Ziel würde die Spreu vom Weizen trennen respektive die Spitzengruppe von ihren Verfolgern. Tatsächlich war man oben nur noch zu sechst. Das Verrückte in solchen Momenten: Die Fahrer sind grösste Widersacher und müssen dennoch zusammenhalten. Als Isaac Del Toro, führend in der Gesamtwertung, attackierte, wechselten sich die anderen Fahrer als Windschattenspender ab und holten ihn wieder ein. Viele Kräfte waren aufgebraucht, als Voisard im letzten Anstieg seinen Moment sah – und davonzog. Meter um Meter. Als wäre eine solch übermenschliche Kraftmobilisierung das Normalste der Welt. Der Abstand wurde grösser und grösser … Aber die Gegner rissen sich zusammen.

In der Natur zu Hause: Der studierte Biologe hat es nicht nur in den Waden, sondern auch im Kopf.

«Und dann haben sie mich wieder eingeholt», lacht Yannis Voisard fünf Monate nach dem Giro vor der Konditorei in Montreux und nippt an einem Espresso. Manch anderer Fahrer hätte aufgegeben, wäre frustriert vom Velo gestiegen. Nicht Voisard: Er bemerkte, dass von hinten Storer kam, und, half ihm mit letzter Kraft den Berg hoch. Der Captain wurde Siebter, Voisard Zehnter. Bestleistung des Tudor Pro Cycling Team am diesjährigen Giro d’Italia.

 «Ein Top-10-Resultat auf der ersten Grand Tour als Profi, dafür lohnt es sich zu kämpfen», sagt Voisard. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Niemals würde er einen solchen Satz prahlerisch meinen. Yannis Voisard ist die Bescheidenheit in Person.

ZWISCHEN ZWEI WELTEN 

Im ländlichen Pruntrut im Jura als ältestes von drei Kindern aufgewachsen, kam Voisard über das Mountainbike zum Rennvelo und galt bald als Nachwuchshoffnung. Schon damals hatte der Giro d’Italia für ihn etwas Mystisches, er konnte stundenlang am Fernsehen zusehen. Auch wegen der frenetischen Fans: Im veloverrückten Italien sind sie einfach lauter, bunter, wilder. Und weil besonders harte Bergstrecken schon immer zum Giro gehörten. Voisard witzelte mit Kollegen, dass man ja mal so eine Giro-Route abfahren könnte. Insgeheim dachte er: Was, wenn ich tatsächlich als Fahrer dabei wäre? Und verbannte den Gedanken gleich wieder ins Land der Träume.

Fotografie im Grünen
Auf der Pirsch: Die Fotografie verbindet ihn mit der Natur und zwingt ihn, genau hinzusehen.

Im Gymnasium begann ihn noch was anderes zu interessieren. Etwas, womit er nie gerechnet hätte, obwohl er schon immer ein Naturbub war: Biologie. Weil Voisard nicht Vollgas auf die unsichere Karte Radsport setzen wollte, entschied er sich für die Uni Neuchâtel. Respektive: Er entschied sich für die harte Tour und studierte Biologie parallel zum aufwendigen Halbprofi-Dasein. «Niemand in meiner Familie war Spitzenathlet und niemand Akademiker. Ich musste mich in beiden Welten ohne Vorbilder vortasten und herausfinden, was für mich funktioniert.» 

Aber eben: Yannis Voisard liebt es, wenn es schwierig wird; kein Weg scheint ihm zu steil. Das Studium ist inzwischen abgeschlossen, und nachdem er 2023 gute Resultate gefahren hatte, klopften verschiedene Teams bei ihm an. Auch Fabian Cancellara, der ihn für das neue Tudor Pro Cycling Team gewinnen wollte. «Seine Vision war aufregend, ambitioniert und glasklar durchdacht. Ich musste nicht zweimal überlegen», sagt Voisard, noch immer sichtlich geehrt. Und verschmitzt schiebt er nach: «Ich habe einst eine Schnupperlehre bei Maurice Lacroix absolviert, die Welt der Uhren hat mich immer interessiert. Dank Tudor bin ich plötzlich mittendrin in diesem Universum.»

Tudor Velo in der Stadt
Auch im Training stets in Vollmontur: Voisard ist seit Beginn Teil des Tudor Pro Cycling Team.

Natürlich ist es nicht dieser Aspekt, der ihm am Tudor Pro Cycling Team am meisten gefällt, sondern die Team-Identität, in der nicht nur die Leistung eine Rolle spielt, sondern eben auch der Mensch dahinter: «Behaupten können das viele, unsere Teamchefs aber leben eine solche Kultur tatsächlich vor. Das gibt Vertrauen. Und Vertrauen ist ein wichtiger Teil des Gleichgewichts.» 

Gleichgewicht ist ein grosses Thema von Voisard, wenn es um die Fähigkeit geht, nach einer Tour zu regenerieren. Entscheidend dafür sei auch das private Umfeld. Im Januar ist er mit seiner Freundin zusammengezogen. «Sie arbeitet im Wallis, ich brauche einen Flughafen in der Nähe, Montreux ist der Kompromiss », sagt er. Umgeben von mächtigen Bergen, biete die Gegend aber auch ideales Trainingsgelände. «Und der Blick über den See hilft zu entspannen.» Nur eine Woche liegt gerade zwischen der letzten Rundfahrt in der Toskana und der nächsten in Malaysia. «Der Körper ist nach drei, vier Tagen erholt, das ist nicht das Problem», sagt Voisard. «Es geht mehr um das Mentale, ums Abschalten nach Wochen auf engstem Raum mit dem Team.» 

Am liebsten würde er tagelang trekken gehen, da oben, in seinen wilden Bergen. Doch das liegt erst in der grossen Rennpause Ende Jahr wieder drin. Bis dahin müssen, neben täglichen Trainingsfahrten, kurze Wanderungen reichen. Gern macht er dabei auf Bauernhöfen Halt, um frisches Gemüse einzukaufen, das er auf dem Heimweg gedanklich zu einem Gericht verarbeitet, mit dem er seine Freundin überraschen wird. Auf seine Spaziergänge nimmt er oft auch die Fotokamera mit. Sie schafft eine direkte Verbindung zwischen ihm und der Natur und zwingt ihn zum genauen Hinsehen, zum Warten auf die richtige Stimmung. Fokussieren, mit allen Sinnen wahrnehmen, den Moment erkennen: Yannis Voisard scheint diese Abläufe nicht nur als Rennfahrer zu beherrschen, sondern in allen Lebenslagen zu verinnerlichen.

Tudor Velo Brunnen
«Es geht um das Mentale, ums Abschalten»: Regeneration ist alles, sagt Yannis Voisard.

FABIAN CANCELLARA 

«ES FUNKTE EINFACH» 

Radlegende Fabian Cancellara über Yannis Voisard, die Zusammenarbeit mit Tudor und seine Lieblingsuhren.

Fabian Cancellara
«Es ist auch menschlich ein Glücksfall»: Fabian
Cancellara über sein Verhältnis zu Tudor.

Dieses Jahr fuhr Yannis Voisard 67 Renntage für Ihr Tudor Pro Cycling Team, unter anderem den Giro d’Italia. Was lässt sich über ihn sagen?
Yannis war schon Teil der Swiss Racing Academy. Heute verkörpert er wie kaum ein anderer die DNA des Tudor Pro Cycling Team und spielt als Schweizer Nachwuchshoffnung auch eine wichtige Rolle bei dessen Entwicklung. 

Was gefällt Ihnen am besten an ihm?
Er hat diesen Biss, kann extrem viel aus sich rausholen, ist enorm willensstark, gerade am Berg. Und er hat eine ungewöhnliche Geschichte. Bevor er Radprofi wurde, hat er sein Biologiestudium abgeschlossen. Das gibt es nicht oft in diesem Beruf.

Ist es ein Vorteil, wenn jemand Biologie studiert hat und etwa die Möglichkeiten seines Körpers ganz genau kennt?
Ich weiss nicht, ob man das verallgemeinern kann. Zu intelligent ist im Sport manchmal nicht unbedingt ein Vorteil, sagt man. Zu viel nachdenken kann hinderlich sein. 

Das Tudor Pro Cycling Team gehört nach nur drei Jahren zu den besten fünf Pro-Teams der Welt und fährt regelmässig auch an den grossen Touren mit. Wie kam es überhaupt zur Partnerschaft mit Tudor? 
Im Frühling 2022 übernahm ich das Swiss Racing Academy Team als Miteigentümer, plante eine Neuausrichtung und suchte nach einem langfristigen Partner. Gleichzeitig suchte Tudor nach einer Möglichkeit, den Slogan «Born to Dare» in einem neuen sportlichen Umfeld zu leben. Zufälligerweise wurden Tudor-CEO Eric Pirson und ich einander an einem Event vorgestellt. Und es funkte ganz einfach. Wir haben einander nicht gesucht, wir haben einander gefunden.

Was passt denn so gut?
Tudor hat erkannt, dass wir absolut unternehmerisch denken und langfristig einen Nutzen bringen. Wie Tudor stehen wir für Schweizer Herkunft, Innovationsgeist und Leistungsbereitschaft. Vor allem aber ist es die Kultur, die uns verbindet: Beide Unternehmen geben acht auf die Mitarbeitenden, hören einander zu, sind bereit zu lernen. Wir sind direkt, ehrlich, müssen uns nicht verstellen – es ist auch menschlich ein Glücksfall. 

Was imponiert Ihnen an Tudor?
Tudor geht einen anderen Weg. Klar, auch sie müssen Uhren verkaufen. Doch während andere Marken um jeden Preis Umsatz bolzen, um die Aktionäre zufriedenzustellen, nimmt sich Tudor Zeit für bestmögliche Qualität – weil man fest daran glaubt, dass das nachhaltig ist. Das ist auch unsere Überzeugung. Wir haben ein Ziel, und diesem Ziel ordnen wir den Weg unter, auch wenn wir dafür mal eine Extrarunde fahren müssen.

Was macht als Eigentümer eines Radsportteams mehr Spass denn als Fahrer?
(Lacht.) Dass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, wie viele Stunden ich trainieren müsste – und wie weh das tut. Das Training wird zur Freude.

Was ist heute anders als in Ihrer Aktivzeit?
Der ganze Sport wurde spezifischer, detaillierter, konzentrierter. Und vor allem: viel digitaler. Jede Kilowattstunde, jedes Gramm, jede Bewegung wird berechnet, vermessen, ausgewertet. Das hat sich sicher stark verändert.

Was war die grösste Herausforderung beim Übergang vom Radprofi zum Unternehmer?
Die Balance zu finden. Mein grosses Ziel war immer, authentisch bleiben zu können, ich selbst zu sein. Dabei habe ich viel gelernt. Und das Gelernte hat mich weitergebracht, dafür bin ich dankbar. Deshalb stehe ich heute wohl da, wo ich bin.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Dass ich nach dem Rücktritt vom Spitzensport weitermachen konnte – auf demselben Niveau, nur in einer anderen Rolle. Das macht schon Freude und bestätigt: Man muss seiner ureigenen Energie vertrauen und ihr folgen.

Sie tragen die Tudor «Black Bay Chrono» in Pink an Ihrem Handgelenk. Ihre Lieblingsuhr? 
Ich habe nicht eine einzige Lieblingsuhr, sondern mag es, am Morgen eine Uhr zu wählen, die zu meinem Gemütszustand passt und zu meinen Plänen für den Tag. Tatsächlich besitze ich dieses Modell auch in Hellblau. Und in Burgund sogar mit persönlicher Gravur von Tudor als Dank nach dem zweiten Jahr. Ich liebe alle meine Uhren, denn jede erzählt eine persönliche Geschichte und steht für ein wichtiges Ereignis in meinem Leben.

Fabian Cancellara Interview

ZEIT FÜR DREI 

Black is beautiful: Die schwarzen Tudor-Sportmodelle sehen nicht nur gut aus, sondern garantieren auch mit ihrem Innenleben höchste Qualität.

Tudor Pelagos

DIE SUPERLEICHTE: PELAGOS FXD CHRONO «CYCLING EDITION» 

Möglichst leicht, komfortabel, robust – so sollten Rennvelos geschaffen sein, aber eben auch Uhren für Touren. Die «Cycling» (43 mm) aus schwarzem Carbon-Verbundstoff paart innovative Funktionalität mit einem für den Radsport massgeschneiderten Design. Unter anderem verfügt sie über eine auf Rennvelotempo kalibrierte Tachymeterskala, 70 Stunden Gang reserve (COSC-zertifiziert) sowie Zeiger und Indizes aus leuchtender Monoblock-Keramik für bessere Ablesbarkeit bei schwierigen Lichtverhältnissen. 

Ref. M25827KN-0001, 5050 Franken.

DIE ULTRAPRÄZISE: BLACK BAY

Schon die COSC-Zertifizierung ist eine herausragende Auszeichnung für eine Uhr. Die «Black Bay» (41 mm) ist zusätzlich METAS-zertifiziert, was noch höhere Anforderungen an Präzision, Magnetfeldresistenz, Wasserdichtheit und Gangreserve stellt. Denn die METAS-Zertifizierung prüft die fertige Uhr, während die COSC-Zertifizierung sich auf das Uhrwerk konzentriert. Eigentlich als Taucheruhr gedacht, vereint die «Black Ba» sportliche Funktionalität mit Retro-Charme. 

Ref. M7941A1A0NU-0002, 4050 Franken.

Tudor Black Bay
Tudor Black Bay Ceramic

DIE AUGENFÄLLIGE: BLACK BAY CERAMIC 

Hightech-Ästhetik vom Feinsten: Das charakteristische matt-schwarze Keramikgehäuse (41 mm) ist besonders kratzfest, hypoallergen und langlebig sowie leicht und UV-beständig. Die klare Formensprache und die ikonischen Snowflake-Elemente verbinden Vintage-Ästhetik mit moderner Sportlichkeit. Die METAS- Zertifizierung garantiert höchste Präzision und Magnetfeldresistenz. 

Ref. M79210CNU-0001, 4900 Franken.