Damals, 1986...

Zürich erwacht – und die Uhrenbranche wittert Morgenröte.

Bildlegende oben: Swatch-Modell von 1986 mit einem Motiv von Keith Haring.

“Touch me” schmachtet Samantha Fox auf allen Kanälen, und Diego Armando Maradona setzt die Aufforderung auf seine Art um: Im WM-Viertelfinal gegen England befördert der Argentinier den Ball mit der «Hand Gottes» ins Goal. Drei Minuten später doppelt er nach einem Dribbling übers halbe Feld mit dem «WM-Tor des Jahrhunderts» nach. Das Turnier in Mexiko schreibt Geschichte, euphorisiert und markiert auch in Zürich einen Wendepunkt.

Was Jahre später als «Public Viewing» zum Begriff werden sollte, nimmt 1986 seinen Anfang. Man geht aus, um in Beizen und Bars gemeinsam Fussball zu schauen und davor und danach auf Trottoirs und Plätzen vor den Lokalen gut gelaunt dem Hier und Jetzt zu huldigen. Ein fast schon südländisches Lebensgefühl macht sich in Zürich breit, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, nachdem noch im Frühling nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl und dem Amoklauf von Günther Tschanun tiefster Pessimismus regierte.

Beschwingt von den Sommer-Vibes, entsteht eine Szene, die sich als Alternative zu den arrivierten Kulturinstitutionen Opernhaus, Kunsthaus und Tonhalle versteht. Allen voran das Studiokino Razzia im Seefeld, das im damals noch verruchten Quartier mit einem neuartigen, mutigen Kulturverständnis die Temperatur verändert und die Transformation zum Szenequartier vorwegnimmt. Bald schon wird es hip, hier zu wohnen, die Mieten steigen. Die «Seefeldisierung » wird zum stehenden Begriff, lange bevor alle Welt von «Gentrifizierung» zu reden beginnt.

Zürich wird 2000-jährig und feiert sich mit 400 Kunststofflöwen. / Die WM in Mexiko schreibt Geschichte(n): Maradona trifft mit der «Hand Gottes».

EINE PLASTIKUHR ALS RETTERIN 

Aber nicht nur Zürich erfindet sich 1986 neu. Auch die von der Quarzkrise arg gebeutelte Schweizer Uhrenindustrie wittert Morgenröte – dank einer günstigen, modischen Plastikuhr namens Swatch. Nicolas Hayeks Geniestreich bewahrt die Uhrenindustrie vor dem Kollaps und wird zum Erfolgssymbol. In ihrem Windschatten tragen auch mechanische Würfe wie die «Da Vinci» von IWC zur positiven Wende bei. Die Exportzahlen steigen wieder, das Label «Swiss Made» gewinnt an Glanz zurück. Es ist der Beginn einer neuen Ära für die Schweizer Uhrenindustrie, die sich durch Innovation und eine kluge Marktstrategie neu erfunden hat. 

Derweil kommt es in der Beyer Chronometrie an der Bahnhofstrasse 31 zur Stabsübergabe: Der legendäre «Uhrenflüsterer» Theodor Beyer tritt kürzer. Seine Ehefrau Annette, Tochter Muriel und Sohn René übernehmen. Bei all den berühmten Persönlichkeiten, die bei Beyer ein- und ausgehen, wird drei Jahre später einer besonders herausstechen: der amtierende Fussball-Weltmeister Diego Armando Maradona, der sich insbesondere Modelle von Patek Philippe um das «Handgelenk Gottes» legen lässt und schliesslich für sich, seine künftige Ehefrau und verdienstvolle Teamkollegen der SSC Napoli zehn Uhren ersteht.

René Beyer and Muriel Zahn-Beyer take over from their father Theodor Beyer


Beyer Chronometrie