Beyer Clock and Watch Museum

Das Gesicht der Uhr

Das Zifferblatt ist der ausdrucksstärkste Teil einer Armbanduhr, seine Herstellung komplizierter, als man denkt. Bei Cadrans Fluckiger in St-Imier dauert sie gut vier Monate.

Beyer Chronometrie

Die hochmodernen Gebäude des 1860 gegründeten Zifferblattherstellers Cadrans Fluckiger liegen etwas ausserhalb von St-Imier. Hier arbeiten rund 100 Angestellte und produzieren etwa 100 000 Zifferblätter pro Jahr.

Ein Zifferblatt, so einfach es in der Vorstellung erscheinen mag, ist ein hochkomplexes Bauteil. Bei Cadrans Fluckiger sind zu seiner Herstellung 50 bis 110 Arbeitsschritte nötig. Sie dauert rund vier Monate, vor allem weil gewisse Lacke besonders lange trocknen müssen. Bei komplexen Zifferblättern wie guillochierten Exemplaren oder solchen mit Emailschichten braucht es noch mehr Zeit.

Die Basis eines Zifferblatts bildet meistens eine dünne Scheibe aus Messing. Die Oberfläche dieser Rohlinge wird durch Schliffe verziert: Zu Puder gemahlener Kalk wird mit Wasser vermischt und mit einer Kupferbürste in mikroskopisch feinen Kratzern aufgebracht. Sie sorgen dafür, dass das Licht auf dem Zifferblatt wie auf einem Seidenstoff schimmert. In galvanischen Bädern werden die Zifferblätter entweder versilbert oder sie erhalten metallische Farben. Wenn ein solcher Glanz nicht erwünscht ist, werden die Oberflächen entsprechend lackiert.

Die feine Gliederung und Beschriftung des Zifferblatts erfolgt entweder durch ein spezielles Druckverfahren oder indem Ziffern und Indexe aus solidem Gold durch winzige Bohrungen aufs Blatt genietet werden. Diese kleinen Teilchen werden ebenfalls bei Cadrans Fluckiger gefertigt und poliert. Beim Druckverfahren handelt es sich um den sogenannten Tampon- oder Transferdruck. Dabei gelangen die haarfeinen Zahlen, Indexe und Buchstaben über einen weichen Kautschukstempel von der stählernen Druckmatrize auf das Zifferblatt.

Abgesehen vom Aufnieten der Goldelemente wird jeder dieser Arbeitsschritte durch das Auftragen eines transparenten Lacks abgeschlossen, der die Oberfläche schützt. 

Bei Cadrans Fluckiger beherrscht man auch die Herstellung extrem aufwendiger Zifferblätter aus Email oder solcher mit guillochierten Mustern. Manche Zifferblätter besitzen auf der Rückseite Fräsungen, die Funktionen des Uhrwerks übernehmen. Die Oberflächen hochwertiger Zifferblätter sind ein Augenschmaus. Es lohnt sich, sie durch die Lupe zu betrachten.

Die Spezialisten unter den Spezialisten.

Die Herstellung von Zifferblättern unterscheidet sich grundlegend von den übrigen Produktionsweisen der Uhrenindustrie. Darum befinden sich Zifferblatthersteller nicht zwingend in der Nähe ihrer Kunden. Viele von ihnen sind im Zuge der Vertikalisierung von ihren Auftraggebern geschluckt worden. So auch die Cadrans Fluckiger SA, die seit 2004 zu Patek Philippe gehört. Die beiden Zifferblattfabrikanten MOM Le Prélet und Rubattel et Weyermann wiederum gehören zur Swatch Group. Richemont hat Cadrans Stern Frères und Pro Cadran in La Chaux-de-Fonds zusammengelegt. Und die Gruppe LVMH besitzt mit ArteCad in Tramelan einen leistungsfähigen Lieferanten. Rolex schliesslich übernahm im Jahr 2000 ihren langjährigen Zifferblattlieferanten, die Beyeler & Cie.

Text: Timm Delfs