Erstaunlich eigentlich, wie jung die Geschichte der Armbanduhr ist. 1904 kreierte Louis Cartier für den bekannten Flugpionier Alberto Santos-Dumont eine Uhr, die nicht in der Hosentasche versorgt werden musste, sondern an einem Lederband ums Handgelenk geschnallt wurde, damit man während des Flugs die Zeit ablesen konnte. Santos-Dumont war damals, was man heute einen Influencer nennen würde. Die Tragweise der Uhr wurde en vogue und die «Cartier Santos» dank reger Nachfrage ab 1911 in stolzer Stückzahl produziert.
Die Armbanduhr eroberte die Welt praktisch über Nacht, der Erste Weltkrieg befeuerte den Erfolg zusätzlich. Nicht nur Kampfpiloten schätzten die praktische Art, eine Uhr zu tragen. An langen Riemen wurden Zeitmesser auch von Bodentruppen über die Uniformärmel gebunden. Und nach dem Krieg setzten sich Armbanduhren als männliches Schmuckstück durch. Zuerst waren die Verhältnisse noch klar: Zur eleganten goldenen Uhr gehörte ein Lederband, zur sportlichen Uhr ein Metallband. Doch bald schon vermischte sich diese Regel.
ANTIMAGNETISCHES WERK
In den 1950er-Jahren beauftragte das CERN in Genf verschiedene Manufakturen mit der Entwicklung von antimagnetischen Werken, damit seine Ingenieure trotz Magnetfeld, das sie umgab, ohne Probleme arbeiten und die Zeit ablesen konnten. Daraus resultierte die Milgauss von Rolex, aber auch das Kaliber 12-400 von Patek Philippe, das gleich in mehreren Referenzen verwendet wurde. Eine davon war die Ref. 3418, die 1957 (gleichzeitig mit dem Kaliber) in Basel vorgestellt wurde. Diese Referenz unterschied sich von anderen Zeitmessern aus eigener wie auch aus fremder Produktion durch eine ebenso einfache wie geniale Besonderheit: Man konnte das Band auswechseln.
Doch wie war das technisch möglich? Bislang fädelte man Lederbänder in Bandanstösse ein, und Metallbänder wurden ohne solche fix ans Uhrengehäuse montiert. Es gab Experimente mit Metallbändern und Bandanstössen, aber die wirkten nicht sonderlich harmonisch. Patek Philippe schien sich damals also gefragt zu haben: Was, wenn sich der Träger nicht entscheiden kann? Wie bietet man ihm die Möglichkeit, flexibel zu bleiben?
Der Trick ist ein verschraubter Boden. Für das Lederband lassen sich Einsätze mit Bandanstössen im Gehäuse versenken. Für das Metallband wiederum werden die beiden Enden entsprechend in das Gehäuse eingepasst. Ist der Boden zugeschraubt, sitzt das Metallband ohne die optisch lästigen Bandanstösse perfekt am Gehäuse.
Da diese Variante des Bänderwechselns zu aufwendig und Fachleuten vorbehalten war, verwarf Patek Philippe nach ein paar Jahren die Idee wieder und entwickelte andere Varianten. Für Sammler jedoch ist es ein Glücksgriff, einen dieser seltenen, lediglich in Edelstahl hergestellten Zeitmesser zu ergattern, die sowohl über die Vorrichtung für das Lederband wie auch die für das Metallband verfügen. Und in besonderem Masse, wenn wie bei unserem Beispiel sogar noch die originale Garantie vorhanden ist, die den Erstverkauf auf Metallband bestätigt.

Die Bandanstösse lassen sich im Boden versenken:
die Innovation von Patek Philippe aus dem Jahr 1957.

PATEK PHILIPPE
Damenuhr mit Beyer-Signatur,
Ref. 4500 (1982),
Gelbgold 750,
21,5 x 28 mm,
CHF 12 500
VACHERON CONSTANTIN
Ohne Referenz (1938),
Gelbgold, 31,5 mm,
Handaufzug,
CHF 15 200


IWC Schaffhausen
Ingenieur,
Ref. 666 AD (1955),
Edelstahl, 36 mm,
Automatikwerk,
CHF 5500
ROLEX
Cellini,
Ref. 4243 (ca. 2006),
Gelbgold, 38 mm,
Handaufzug,
CHF 8200





