«Es geht doch um Glaubwürdigkeit»

René Beyer blickt aufs Jahr zurück, wagt eine mutige Prognose und verrät, warum er besondere Uhren für einheimische Kunden zurückhält.

Herr Beyer, zu Jahresbeginn haben Sie der Uhrenbranche nicht unbedingt die besten Zeiten prognostiziert. Ihr Fazit für 2019? Im Verkauf spüren wir glücklicherweise keine Krise, wir dürfen auch dieses Jahr wieder zweistellig wachsen. Doch viele Marken drosseln ihre Produktion. Vor dem Sommer dachte ich tatsächlich, dass relativ grosse Brands aufgeben müssen. Und ich glaube noch immer: Nur wenige Uhrenfirmen haben handfesten Grund, positiv in die Zukunft zu schauen. Für Branchenleader wie Patek Philippe und Rolex wiederum läuft es so hervorragend, dass die Nachfrage weitaus höher ist als die Produktionsmöglichkeiten.

Hätte eine Korrektur im Dschungel der Uhrenmarken nicht auch ihre positiven Seiten? Ich wäre froh, wenn es eine Korrektur gäbe und wieder realistisch produziert und kommuniziert würde. Das Problem ist nur, dass der Graben zwischen Patek Philippe/Rolex und allen anderen dann noch grösser wird.

Sie gingen Anfang Jahr davon aus, dass es auch für Uhrenhändler schwierig wird. Auch da gab es Korrekturen, und es wird weitere geben. Nehmen Sie die Bahnhofstrasse: Es gibt immer mehr Monobrand-Shops – nicht selten übrigens aus reinen Imagegründen und kaum profitabel. Und es gibt immer weniger traditionelle Multibrand-Retailer, die auf besten Service achten und auch eidgenössisch diplomierte Verkaufsberater ausbilden. Wir sind hier nur noch zwei alteingesessene Zürcher Familienunternehmen.

Was macht den Markt für Händler zunehmend anspruchsvoller? Dass viele grosse Marken den Zwischenhandel umgehen und direkt verkaufen wollen, auch übers Internet. Der Fokus richtet sich nicht mehr auf das langfristige Wohl der Branche, sondern auf kurzfristige Gewinnmaximierung.

Wie packt Beyer Uhren & Juwelen vor diesem Hintergrund die Zukunft an? Wir bleiben vor allem ruhig und auf unserem Weg. Sicher müssen wir besser kommunizieren, was unsere Stammkunden längst schätzen: dass man bei uns keine Uhr aufgeschwatzt bekommt, sondern eben noch richtig beraten wird. Wir verstehen uns als Broker des Kunden: Seine Person und seine Ziele stehen an erster Stelle und nicht die Bedürfnisse eines Brand.

Wenn ich genau weiss, welches Modell ich will, warum soll ich das bei Beyer kaufen? Weil Sie bei uns mehr bekommen als die Uhr. Falls zum Beispiel was mit der Uhr nicht in Ordnung sein sollte, wird sie nirgends schneller und besser repariert als in unserem hochkompetenten Atelier. Als Kunde werden Sie zu spannenden Events eingeladen, Sie erhalten zweimal im Jahr dieses aufwendig produzierte Kundenmagazin, und wir betreiben eines der bedeutendsten Uhrenmuseen der Welt. Es geht doch letztlich um Glaubwürdigkeit: Uhren sind eben wirklich unsere Leidenschaft. Das werden Sie in Form vieler kleiner Mosaiksteinchen spüren.

Mit 47 Prozent hat der Anteil an Schweizer Kundschaft einen neuen Höchststand erreicht. Kommen keine Ausländer mehr zu Beyer? Im Gegenteil: Wir suchen viel konsequenter das Geschäft mit Schweizern. Besonders begehrenswerte Uhrenmodelle vergeben wir nur noch Einheimischen. Das ist nichts als fair: Man kann die besten Plätze nicht auswärtigen Gästen verkaufen und erwarten, dass einen das Heimpublikum trotzdem unterstützt.

Warum reissen sich so viele Geschäfte um die ausländischen Gäste? Weil sie viel weniger Aufwand bedeuten: Sie kommen rein, kaufen, gehen wieder. Und falls die Uhr eine Reparatur braucht, an der man eben nicht mehr gross verdient, passiert das weit, weit weg. Ein Schweizer kommt zwei-, dreimal, bis er sich entscheidet – und hat berechtigterweise auch nach dem Kauf Ansprüche.

Will man den Schweizer Anteil nochmals erhöhen? Ja, die 50er-Marke müssen wir knacken und stabilisieren. Und das grösste Land neben der Schweiz sollte nicht mehr ausmachen als 25 Prozent.

Das klingt nach einem klaren Plan … Es ist ein bisschen wie Ballonfahren: Dank jahrelanger Vorarbeit können wir heute relativ exakt entscheiden, in welcher Flughöhe wir uns bewegen wollen. Aber das Ziel der Reise kennen wir nicht. Für uns bedeutet das: nicht zu sehr diversifizieren, sondern den Blick auf das richten, was wir gut können.

Was kann Beyer gut, was weniger? Bei technisch anspruchsvollen Uhren sind wir hervorragend aufgestellt. Weniger gut sind wir bei Schmuckuhren. Zu uns kommt, wer Qualität sucht.

Text: Matthias Mächler

Beyer Chronometrie