Vier Stunden und 43 Minuten dauerte der langsame Abstieg in die dunkle Ungewissheit der Tiefsee – dorthin, wo zuvor noch niemand gewesen war. Und wo es, so glaubte man, wohl kaum mehr Leben gebe. Oder aber gruseliges Treiben im schwarzen Abgrund.
Es war eine Reise, bei der eine Uhr Geschichte schrieb – und bis heute davon erzählt.
Am 23. Januar 1960 brachen der Schweizer Ozeanograf Jacques Piccard und der US-Navy- Offizier Don Walsh zu einer der kühnsten Unterwasser- Expeditionen aller Zeiten auf. Ihr Ziel: der Marianengraben, rund 11 000 Meter unter dem Meeresspiegel, der tiefste Ort der Welt. Ihr U-Boot: der Bathyscaph Trieste, 13 Tonnen schwer. Das Besondere daran: Befestigt an der Aussenhülle des Tiefseegefährts war der Prototyp Rolex Deep Sea Special. Also kein Serienmodell, sondern ein technisches Manifest – mit extrem gewölbtem Glas über einem massiv verstärkten Gehäuse. Eine Uhr, so machte schon das Äussere klar, die hart im Nehmen ist.

UNGLAUBLICHE DRUCKEINWIRKUNG
Tatsächlich war die Deep Sea Special dem vollen Druck der Tiefe ausgesetzt: Pro Quadratzentimeter wirkte über eine Tonne Gewicht auf das Spezialglas ein. Doch als die Trieste Stunden später wieder auftauchte, funktionierte der Zeitmesser nach wie vor tadellos. «Freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Uhr auch in elftausend Meter Tiefe so genau geht wie an der Oberfläche», kabelte Jacques Piccard umgehend an Rolex.
Es war ein Triumph der Ingenieurskunst – und am Nimbus kann man noch immer partizipieren. Denn wer eine Rolex Deepsea trägt, hat weit mehr als einen Hauch von Abenteuer am Handgelenk, nämlich ein Stück Technik- und Expeditionsgeschichte. Die Uhr, so wirbt die Marke mit der Krone im Logo, sei nichts anderes als «die Armbanduhr für die Tiefsee». Und sie ist dies dank beeindruckender Prädikate: Man könnte, würde man es schaffen, das Instrument bis zu einer Tiefe von 3900 Metern mitnehmen, das garantiert die Marke. Dazu – typisch Rolex – gibt es eine Sicherheitsmarge von 25 Prozent: Geprüft wird der Zeitnehmer nämlich unter einem Druck, der 4875 Meter Tiefe entspricht – ein Wert, der selbst für professionelle Taucher weit jenseits des real Erreichbaren liegt.
Viele Besitzerinnen und Besitzer werden ohnehin nie mit der Uhr am Handgelenk tauchen. Das spielt auch keine Rolle: Man kann an der Uhr das klare Design eines Instruments geniessen, die griffige, markante Lünette, das generös applizierte Leuchtmittel, die robuste Bauweise. Und die Tatsache, dass sie trotz ihrer sportlichen Gene auch im urbanen Leben immer bestens passt. Es ist, das kommt dazu, ein gutes Gefühl, mit einer unerschrockenen Uhr für jedes Abenteuer gerüstet zu sein.
Von ihrer Mutter, der Deep Sea Special, kurz DSS, soll es nur sieben Exemplare gegeben haben. Eines davon kann im Museum der Chronometrie Beyer betrachtet werden.
Am Boden des Marianengrabens, dies als Nachtrag, gab es übrigens sehr wohl Leben: Ein einsamer Plattfisch schwamm vor dem Bullauge der Trieste vorbei.

Pierre-André Schmitt gilt als einer der versiertesten Uhrenjournalisten der Schweiz. Für das beyond nimmt er Rolex Modelle unter die Lupe.



