Beyer & Partner

Le grand bleu mit TUDOR

René Beyer taucht in Marseille unter: Mit nichts als einem Atemzug Luft folgt er dem dreifachen Apnoe-Weltmeister Morgan Bourc’his in die Tiefe.

Die Einladung von Tudor klang nach Sonne, Strand und Heldengeschichten, wir waren Feuer und Flamme. Doch jetzt zappeln wir draussen im offenen Meer und klammern uns an einer Boje fest. Mit einem einzigen Atemzug dem Seil entlang in die Ungewissheit tauchen? Alle anderthalb Meter den Druck ausgleichen? Nicht in Panik geraten? Das Herz schlägt bis weit in den Hals.

Genau das sollte es nicht, haben wir gestern gelernt. Morgan Bourc’his empfing René Beyer und das beyond-Team zum ersten Teil des Workshops am Hotelpool. Und weil der dreifache Weltmeister im Apnoetauchen eine dermassen ansteckende Ruhe ausstrahlte mit seiner tiefen, sonoren Stimme, den langsamen, eleganten Bewegungen und seiner unerschütterlichen Sicherheit, nahmen wir einfach mal an, dass das mit dem Herzklopfen kein Problem sein würde.

Pool-Position: Nach der Yogastunde versucht Morgan Bourc’his, dem beyond-Team die Angst vor Sauerstoffmangel abzugewöhnen.

«ENTSPANNT EUCH. STELLT EUCH VOR, ES SEI EIN TRAUM.»

Zumal er uns als Erstes beibrachte, wie man richtig atmet – vom unteren Bauchbereich wellenartig bis zum Schlüsselbein, tief und bewusst. Wir legten uns auf die Yogamatte, liessen den Atem im Viereck zirkulieren: ansaugen, Atem anhalten, Lunge leer pressen, Atem anhalten. Wir taten etwas für unser Selbstvertrauen und schafften anderthalb Minuten Atemlosigkeit relativ easy. Und natürlich glaubten wir Morgan jedes Wort: dass sich richtiges Atmen auf Körper und Geist auswirkt, dass es den Charakter verändern kann und dass es sowieso die Grundlage ist, um am nächsten Tag im Meer Spass zu haben.

DER KOPF SCHREIT: «NEIN!»

Dann ging es in den Pool – was uns freute, denn auch das temperierte Wasser war deutlich angenehmer als der Aufenthalt unter der sengenden Mittagssonne. Also rein in den Neopren-Anzug, rauf mit der Maske, Druckausgleich üben und ausgestreckt mit den Händen am Bassinrand den Kopf unter Wasser halten. 30 Sekunden. 40 Sekunden. Eine Minute. «Entspannt euch. Stellt euch vor, es sei ein Traum. Es geht nicht um Leistung, es geht um Genuss», wiederholte Morgan sein Mantra, während er auf seine Uhr blickte und Zwischenzeiten durchgab.

Nur einer wollte kaum mehr auftauchen und schaffte auch im Pool die Anderthalb- Minuten-Marke – unser Chef. René Beyer hatte keinerlei Mühe, loszulassen und sich völlig entspannt dem Hier und Jetzt hinzugeben. «Seid ihr sicher, dass ihr morgen ins Meer mitkommen wollt?», neckte er uns und grinste unter seiner Tauchermaske übers ganze Gesicht.

«Beim Apnoetauchen passiert sehr vieles im Kopf», hatte Morgan gesagt. Und jetzt, auf offenem Meer, schlägt dieser Kopf Kapriolen. Es gibt keinen Bassinrand mehr, keinen Boden unter den Füssen. Nicht einmal Flossen tragen wir. Dank einem Bleigürtel sollen wir es besser dorthin schaffen, wo wir gar nicht hinwollen: zum gelben Gewicht unter uns, in fünf Meter Tiefe. Fünf Meter! Das klingt nicht gerade nach einer Heldengeschichte. Doch in diesem Moment fühlt sich der Weg dorthin beinahe unmöglich an. Denn im Kopf skandiert eine ganzer Chor an Stimmen: Stopp! Bleib an der Luft! Da unten ertrinkst du!

DANK EINEM
BLEIGÜRTEL SOLLEN
WIR ES BESSER
DORTHIN SCHAFFEN,
WO WIR GAR NICHT
HINWOLLEN.

 

 

Nur einer grinst an seiner Boje: unser Chef. Mit schamloser Lockerheit meldet er sich freiwillig, um als Erster in die Tiefe zu tauchen.

Apnoe (altgriechisch für «Nicht-Atmung »), auch Freediving genannt, ist die ursprünglichste Form des Tauchens. Schon in der Steinzeit begaben sich Menschen ohne Atemgeräte unter Wasser, um minutenlang nach Perlen, Schwämmen und Muscheln zu suchen. Das Speerfischen wird heute noch auf diese Art betrieben. Die Verbundenheit mit der Natur, heisst es, sei nirgends grösser als beim Apnoetauchen. Unangefochtene Legende der Szene ist der Franzose Jacques Mayol, dem es 1976 als erstem Menschen gelang, ohne Atemgerät in eine Tiefe von 100 Metern vorzudringen. Der Kultfilm «Le Grand Bleu» von 1988 erzählt seine Geschichte.

Unser Held ist ein anderer: Für Morgan Bourc’his ist kein Gewässer zu kalt, kein Fisch zu gefährlich. Er spaziert mit bloss einem Atemzug unter dicken Eisschichten gefrorener Seen, tanzt in Norwegen mit Walen, besucht Unterwasserhöhlen, als könnte er dort atmen. Und wer beobachten darf, wie er sich in der Tiefe bewegt, meint, einen Hybriden von Mensch und Fisch zu sehen, die moderne Interpretation eines Wassermanns. Selbstredend, dass er bei jedem unserer Tauchgänge vorausgeht und zum Rechten schaut. Nachdem René Beyer strahlend und prustend wieder die Meeresoberfläche erreicht, müssen wir anderen runter. Na dann, gute Nacht, Welt!, denke ich, nehme einen tiefen Atemzug und versuche, in möglichst energiesparenden Bewegungen dem Seil entlang in die Tiefe zu gleiten und dabei die Alarmglocken in meinem Kopf auszublenden.

EIN RAUSCH IN BLAU

Und plötzlich ist es da – ein unglaubliches Freiheitsgefühl.

Wie von Zauberhand ist die Angst verschwunden und einer Gewissheit gewichen, dass die Lungenfüllung schon reichen wird. Ich bewege mich vielleicht ein bisschen hastig, vergesse beinahe den Druckausgleich, aber ich erreiche das gelbe Gewicht. Und würde ich nicht bereits den Atem anhalten, täte ich es spätestens beim Aufstieg: Die Stimmung ist von unfassbarer Schönheit. Sonnenstrahlen brechen in einem magischen royalen Blau, wie ich es noch nie gesehen habe. Eine zauberhafte Qualle pumpt sich ein paar Meter weiter vorbei. Der Moment wirkt völlig unreal und ist doch von unglaublich bewusst empfundener Intensität. Möglicherweise fühlt sich das Weltall ähnlich endlos an, aber etwas Fantastischeres als das hier ist gerade schwer vorstellbar.

Mein Körper wird geflutet von Glückshormonen: Wir mussten unsere Komfortzone verlassen, unsere Ängste überwinden und wurden mit einer Erfahrung belohnt, die wir nicht so schnell wieder vergessen werden. Ich tauche auf und möchte mein Glück übers Wasser schreien. Aber ich höre bloss, wie René Beyer ruft: «Wurde langsam Zeit, dass du auftauchst. Jetzt bin ich wieder dran!»

DER MOMENT WIRKT
VÖLLIG UNREAL UND IST DOCH VON
UNGLAUBLICH BEWUSST
EMPFUNDENER INTENSITÄT.

Blog Beitrag: TUDOR im Zeitraffer


Interview mit Morgan B'ourc'his

«ES KOMMT ZU EINER VERZERRUNG DER ZEIT»

Er ist dreifacher Weltmeister im Apnoetauchen: Morgan Bourc’his über den Tiefenrausch, das Leben in Marseille und seine Rolle als Tudor-Botschafter.

DER WASSERMANN

Morgan Bourc’his (1978) wuchs in Zentralfrankreich auf und studierte Sportwissenschaften. Seine Abschlussarbeit führte ihn nach Marseille, wo er die kardiovaskulären Auswirkungen beim Apnoetauchen untersuchte und dem Sport und der Stadt vollends verfiel. Dreimal holte er den Weltmeistertitel, unzählige Male stand er bei Turnieren auf dem Podest. Ein aufsehenerregendes Projekt führte ihn letzten Winter nach Norwegen, wo er apnoetauchend über Wale forschte.

Bourc’his’ Rekorde muten unwirklich an: Seine längste Zeit mit einem Atemzug unter Wasser beträgt 7:30 Minuten. Ohne Flossen gelang ihm eine Tiefe von 91 Metern (in 3:34 Minuten), mit einem Monofin an den Füssen schaffte er 109 Meter.

morganbourchis.com

Mit nichts als einem Atemzug verschwinden Sie für sechs, sieben Minuten in der Tiefe des Meeres. Welchen Kick suchen Sie da? Die Gefahr?
Zuletzt die Gefahr! Ich kenne meinen Körper und meine Möglichkeiten und weiss jederzeit, was ich mache. Ich würde mich niemals in Lebensgefahr begeben. Selbst wenn sich während eines Wettkampfs ein Teil meines Gehirns verabschieden sollte, wäre da noch der andere Teil, der die Orientierung behält. Ein Skifahrer geht auch ans Limit, das ist normal im Spitzensport.

Anders gefragt: Was finden Sie da unten?
Eine magische, stille Welt. Beim Apnoetauchen geht es weniger um den Adrenalinkick als um eine Art Trance, um einen Flow, um die Kraft absoluter innerer Ruhe.

Können Sie diesen Flow beschreiben?
Es sind wechselnde Bewusstseinszustände, so, wie andere sie mit Tanzen erreichen, mit extremen Atemübungen, vielleicht auch mit Drogen. Es kommt zu einer Verzerrung der Zeit. Man denkt nichts anderes mehr als an das Hier und Jetzt. Es ist die höchste Form von Konzentration. Gleichzeitig explodieren die Sinne. Man ist überwältigt.

Immer noch? Nach 22 Jahren?
Jedes einzelne Mal. Wobei es ein Unterschied ist, ob ich an einem Wettkampf teilnehme oder für mich tauche. Beim Wettkampf geht es ums Gewinnen, man ist kaum mit der Natur verbunden. Wenn ich aus Freude tauche, werde ich zu einem Teil des Universums und fühl mich ganz und gar mit dem Meer verbunden.

Sie nehmen auch Laien mit ins Meer, die noch nie getaucht sind. Ist das nicht ein bisschen langweilig für Sie?
Im Gegenteil, es ist eine wunderbare Energie! 50 oder 60 Sekunden lang die Luft anzuhalten und abzutauchen, ist für die meisten Menschen etwas Unreales. Wenn sie sich überwinden und es schliesslich schaffen, steht ihnen das Glück ins Gesicht geschrieben. Es ist schön, jemandem diese Welt eröffnen zu dürfen.

Sie haben Marseille zu Ihrer Basis gemacht. Was mögen Sie an dieser Stadt besonders?
In den Neunzigern, als ich erstmals hierherkam, war Marseille rau und gefährlich, und manchmal ist es das heute noch. Es ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, die sich Mühe geben, dass das Zusammenleben einigermassen klappt. Vor allem aber ist Marseille geprägt vom Meer und von Menschen, die vom Meer kommen. Das Meer ist omnipräsent.

Dieses Meer: Ist es in Marseille anders als anderswo?
Anders ist das Nebeneinander der Stadt und der Natur. Hier der Moloch mit 1,5 Millionen Menschen, ein riesiges Durcheinander. Nur wenige Minuten die Küste runter eine andere Welt, in der man oft mutterseelenallein ist und sich ein bisschen ausserhalb der Realität fühlt. Die schneeweissen Kalkfelsen, die saftig grüne Vegetation und das tiefblaue Meer: Man kann sich nicht sattsehen.

Was ist das Wichtigste, was Sie von dieser Natur gelernt haben?
Dass alles miteinander verknüpft ist: Pflanzen und Tiere, Wasser und Wälder, Wolken und Berge. Wir sollten begreifen, dass auch wir ein Teilchen dieser Natur sind – und bei Weitem nicht das stärkste. Tragen wir ihr keine Sorge, gehen wir unter, noch bevor sie es tut.

«ICH VERSUCHE, DIE ZEIT UND

MICH EIN BISSCHEN ZU VERGESSEN.»

 

Sie sind nicht nur ein leidenschaftlicher Botschafter des Meeres, sondern auch ein Ambassador von Tudor. Wie kam es dazu?
Für die Dreharbeiten des ersten «Pelagos»- Werbefilms wurde ich vom Regisseur als Stuntman angefragt: für einen «Spaziergang » im Wasser eines zugefrorenen Sees. Die Chemie mit den Tudor-Leuten stimmte sofort. Dann gewann ich meine Titel und war in den Medien präsent. So führte eines zum anderen und schliesslich zu einer sehr freundschaftlichen Zusammenarbeit.

Welche Bedeutung hat Zeit für Sie?
Zeit ist eine essenzielle Komponente des Freediving. Wie lange kann ich meinen Atem maximal anhalten? Wie lange dauert mein Tauchgang? Hab ich genug Luft und Zeit, um an die Oberfläche zu gelangen? Wie viel Zeit hab ich übrig für meine Erholung? Wenn ich gut trainiert bin, versuche ich, die Zeit und mich selber ein bisschen zu vergessen. Auf diese Weise ergaunere ich mir noch ein bisschen mehr Zeit unter Wasser. Die Zeit dehnt sich aus, bis mich meine Uhr in die Realität zurückholt und daran erinnert, dass es Zeit wird für den Rückweg.

Wie wichtig ist eine gute Uhr zum Tauchen?
Als Spitzensportler brauchst du heute einen Computer mit einer Reihe haargenauer Daten. Wenn ich für mich tauche, genügt mir die Zeit. Ich brauche also eine verlässliche, gut lesbare Uhr. Ob ich in Norwegen mit Walen tauche oder in den Azoren mit Haien: Für meine Projekte verlasse ich mich auf meine Tudor «Pelagos». Sie ist meine Lieblingsuhr, weil mit ihr alles begann. Und natürlich: weil sie mir auch optisch gefällt.

 

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