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Zimt & Zucker

Süss duftende Kindheitserinnerungen waren die Inspiration für die erste Winter-Schmuckkollektion von Beyer. Für sie wurde sogar eine neue Fassart entwickelt.

Eiskristalle überziehen die Fensterscheibe, an der sich ein kleiner Bub die Nase platt drückt. Hinter ihm erhellen Kerzen den vorweihnächtlich geschmückten Raum. Es duftet nach Zimt, den die Mutter zusammen mit Zucker
grosszügig auf den Milchreis rieseln lässt. Gleich wird sie an den Tisch rufen.

Es sind Kindheitserinnerungen wie diese, die Carlo Mutschler zu seiner neuen Kollektion inspiriert haben. «Ich bin ein Wintergeborener und habe seit je eine Vorliebe für die kalte Jahreszeit, den Kerzenschein, die Gemütlichkeit», schwärmt der Leiter des Beyer-Schmuckateliers, während er einen stabförmigen Anhänger zwischen den Fingern dreht und im Spot der Deckenlampe zum Funkeln bringt.

VON EINER KUNDIN ANGEREGT
Mehrere Dutzend weisse Diamanten sind wie zufällig auf dem rotgoldenen Untergrund des Schmuckstücks verteilt. Ganz so, als habe man sie spontan darübergestreut. «Zimt und Zucker» hat Mutschler die erste winterliche Beyer-Linie denn auch getauft. Zum Anhänger, den man nicht nur bei einem Dinner, sondern auch im Büro gut an einer Kette über einem Rollkragenpullover tragen kann, kommen zwei kleinere Stäbchen derselben Machart, die sich als feine Ohrstecker entpuppen.

Dazu gesellt sich ein geschwungener, fast schon jugendlich anmutender offener Ring, der trotz der Vielzahl der auf ihm sitzenden Brillanten ebenfalls alltagstauglich scheint. Daneben thront ein eleganter

«DURCH DIE BEWEGUNGEN DER TRÄGERIN FUNKELT ES STÄNDIG IRGENDWO.»

Ring mit einem grossen braunen Diamanten in der Mitte, der umgeben ist von vielen glänzenden Steinchen. Ausgangspunkt für die neuen Kreationen war die beiläufige Bemerkung einer Kundin, die bei Beyer einen braunen Edelstein bewunderte und meinte: «Der ist aber schön, so richtig zimtig.» Da habe es in Mutschlers Kopf «bling» gemacht. «Die Worte der Dame haben mich nicht mehr losgelassen», sagt er. «Der Gedanke an
das Gewürz löste in mir ein heimeliges warmes Gefühl aus von glücklichen Stunden meiner Kindheit. Ich wollte diese Assoziation unbedingt nutzen, wusste aber erst einmal nicht, wie.»

Dann kam ihm die zündende Idee. Mit seinen beiden Mitarbeitern Remo Hüppi und Jonathan Gafafer entwickelte Mutschler binnen Tagen eine komplett neue Fasstechnik. das «Sugar Setting». Dieses Verfahren ermöglicht es den Beyer-Juwelieren, Schmuckstücke zu erschaffen, bei denen der Eindruck entsteht, man habe willkürlich Zucker darauf gestreut. «Das ist uns auf Anhieb gut gelungen», sagt Mutschler nicht ganz ohne Stolz. Mit einem neuartigen Gravier- und Fassergerät, das mit Luftdruck arbeitet, werden Vertiefungen kreuz und quer ins Edelmetall gefräst und die Steinchen so ins Rotgold eingesetzt, dass sie unterschiedlich hoch liegen. Mutschler: «Durch die natürlichen Bewegungen der Trägerin funkelt es auf der Oberfläche ständig irgendwo. Im Ganzen ergibt das eine unglaubliche Wirkung.»

JEDES STÜCK EIN UNIKAT
Es sind wahre kleine Kunstwerke, denn jedes der handgefertigten Erzeugnisse ist ein Unikat. «Der Goldschmied hat zwei, drei Anhaltspunkte, dann setzt er nach Gefühl», erklärt Mutschler den Prozess. Für einen besonders langen Halt und um das weisse Glitzern zusätzlich zu verstärken, wird über dem «Zuckerfeld» das Platinmetall Rhodium appliziert. Was den Zucker-Zimt-Effekt zusätzlich verstärkt: Die verwendete Rotgoldlegierung ist noch dunkler und zimtiger als üblich. Perfekt für den Winter, wie Mutschler findet. Augenzwinkernd fügt er hinzu: «Und natürlich ideal als Weihnachtsgeschenk.»

Apropos Weihnachtsgeschenk: Dass Carlo Mutschler zu einer Koryphäe insbesondere in Sachen diamantbesetzten Schmucks geworden ist, kommt nicht von ungefähr. Dazu trug ein Weihnachtsgeschenk aus seiner Kindheit mindestens so sehr bei wie die Erinnerungen an die Eisblumen an den Fenstern. «Weil meine Tante wusste, dass ich mich für schöne Dinge interessiere, hat sie mir ein Diamantenbrevier geschenkt», erzählt der Kreativkopf von Beyer. «In diesem Buch steht alles drin, was es über die Edelsteine zu wissen gibt, von ihrer Entstehung über den Abbau in den Minen bis hin zum Schliff.» Damals war Mutschler zwölf Jahre jung. Das Diamantenfieber
liess ihn nie mehr los.

Beyer Chronometrie