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THE KEY TO THE MISTERY

05/25/2020

Artikel aus dem Kundenmagazin BEYOND, Edition 30


 

 

Eine gar romantische Uhr wurde im Atelier vollständig restauriert – inklusive Schlüssel zu ihrem Herzen.

Von Matthias Mächler

Zwei Bäume, ein Jäger, das Zifferblatt in Form einer Zielscheibe: Die feuervergoldete Bronze-Tischuhr mit Federhalter, Tintenfass und Sandfass (früher gab es keine Löschblätter zum Trocknen der Tinte) ist rund 200-jährig und stammt aus Wien. Der Besitzer des Tintenfass-Museums im luzernischen Adligenswil, Erhard Durrer, hat sie an einer Auktion ersteigert und dem Beyer-Uhrenatelier zur Restauration anvertraut.

«Das Werk im dicken Sockel wurde einmal ersetzt, man spricht von einer sogenannten Mariage», erklärt Damian Ahcin, Co-Leiter des Uhrenateliers Beyer: «Auch andere Komponenten wurden im Lauf der Zeit verändert, was typisch ist bei solchen Stücken.» Allerdings war nicht exakt gearbeitet worden: Unpräzise Bohrungen sind dafür verantwortlich, dass sich der rund 15 Zentimeter lange Schlüssel zum Aufziehen nur schräg einführen lässt. Dabei streift er den Baum und beschädigt das alte Perlmutt. Ahcin konstruierte einen neuen, dünneren Schlüssel, mit dem man die Uhr in einem besseren Winkel aufziehen kann.

Lange stand er jedoch vor einem Rätsel: Das Werk mit Spindelhemmung lief nur im ausgebauten Zustand einwandfrei, wenn es nicht mit dem Zifferblatt verbunden war. Das Problem lag also in der Übersetzung. «Ich musste sie wieder ins Lot bringen, hier einen Vierkant nacharbeiten, dort etwas Material abtragen und Schrittchen für Schrittchen die Verzahnung korrigieren», erklärt Ahcin. «Dieser Prozess ist sehr zeitintensiv: Am Schluss müssen viele nachgebaute Teilchen einwandfrei zusammenspielen.»

Die feuervergoldeten Gussfiguren zeigten sich dafür in gutem Zustand, die Szenerie musste bloss gereinigt werden. Deutlich aufgefrischt und heller bringt das alte Perlmutt seinen Lüster wieder zur Geltung, diesen unverwechselbaren schimmernden Glanz. Damian Ahcin zieht mit dem Schlüssel die Uhr auf, horcht konzentriert auf das Ticken und lacht: «Es ist gleich zwölf – also höchste Zeit, das Mittagessen zu jagen.»

NACHGEFRAGT

Damian Ahcin,
Co-Leiter Beyer-Uhrenatelier

«MAN MUSS TÜFTELN, KORRIGIEREN, AUSPROBIEREN.»

Wie lange dauert die Restauration einer solchen antiken Uhr?
In der Regel sind Restaurationen zeitintensiv, insbesondere wenn an der Uhr schon einmal Änderungen vorgenommen wurden. Man muss tüfteln, korrigieren, immer wieder ausprobieren. Bis allein die Verzahnung einwandfrei lief, benötigte ich 15 Stunden.

Was macht diese Arbeit so aufwendig?
Man kann nicht einfach das Werk herausnehmen, korrigieren und wieder einsetzen: Um zu messen, ob es exakt funktioniert, muss man es nach jedem Eingriff aufziehen und ganz ablaufen lassen. Man benötigt also viel Kontrollzeit. Und weil man aufs Mal nur kleine Veränderungen im Millimeterbereich macht und nicht weiss, wie sie sich aufs Werk auswirken, ist man lange dran.

Was hat Sie an dieser Uhr besonders beeindruckt?
Sicher der wunderbare Lüster, nachdem wir das alte Perlmutt gereinigt haben. Aber auch die noble Halterung für den Federhalter – und nur für ihn. Denn alle anderen Schreibutensilien kommen auf die Ablage, nur die Feder geniesst eine Sonderstellung. Die Mechanik der Uhr ist eher unspektakulär. Aber das Gesamtbild ist überaus stimmig.

 

Bildlegende:

Bild 1: Das Ziel des Jägers ist die Zeit: Baumuhr über dem Tintenfass. 

Bild 2: Der neue, dünne Schlüssel verschont das prächtige Perlmutt. 

Bild 3: Bestechend einfach: Uhrwerk im Boden des Ensembles.

Bild 4: Nach sorgfältiger Restauration wurde die Tischuhr mit Jäger und Zielscheibe dem Tintenfass-Museum zurückgegeben, wo sie heute bewundert werden kann. 

Bild 5: Damian Ahcin, Co-Leiter Beyer-Uhrenatelier