Pre-Loved

Aus einer anderen Zeit

Alles Einzelstücke mit Geschichte: In der neuen Beyer-Abteilung Vintage-Schmuck gehört die Zukunft der Vergangenheit.

«Diese Stücke haben bewiesen, dass sie weit mehr sind als eine Modeerscheinung.»

Dörte Herold

Von Sotheby’s zu Beyer: Dörte Herold hat mit der Abteilung Vintage-Schmuck grosses vor.

Es war vor zwölf Jahren: Kunsthistorikerin Dörte Herold machte gerade in einem kleinen Auktionshaus in der Nähe von Freiburg im Breisgau ein Praktikum, als die zuständige Dame für Uhren und Schmuck kündigte. Ob sie Lust hätte zu übernehmen, wurde Dörte Herold gefragt. Und ob sie das hatte.

«Es dauerte nicht lange, und es war um mich geschehen», sagt die 38-jährige Wittenbergerin, «ich war in meinem Thema angekommen und tauchte immer tiefer in die schillernde, stilvolle Welt fantastischer alter Schmuckstücke ein. Viele stammten aus der Hochblüte der Juwelierkunst, als wahre Ikonen entstanden, die noch heute in vielen Neuanfertigungen zitiert werden.»

Drei Jahre später lotste die Liebe Dörte Herold in die Schweiz und ihre Kompetenz sie zu Sotheby’s: Als Verantwortliche für Schmuck- und Uhren verkaufte sie auf Auktionen Schätze aus Nachlässen. Letztes Jahr dann suchte sie eine neue Herausforderung. «Etwas, wo alles zusammenpasst, meine Kenntnisse, meine Faszinationen und ein Umfeld, das kleine Wunder möglich macht.»

Mehr als Mode.

Sie fand diese Kombination im Hause Beyer, das längst mehr als ein klassisches Uhrengeschäft ist: Das Goldschmiede-Atelier im Obergeschoss fertigt neben individuellem Schmuck seit 14 Jahren eigene Kollektionen an und hat sich weit über die Limmatstadt hinaus einen Namen gemacht. Seit Mitte der 1960er-Jahre bereits besteht die Vintage-Uhren-Abteilung, auch hier gilt Beyer als Kompetenzzentrum und als Spitzenreiter auch bei Mystery-Shopping-Tests. «Was uns zur Abrundung unseres Angebots noch fehlte», sagt René Beyer, «war eine Abteilung für Vintage-Schmuck.» So wurde Beyer für Dörte Herold zum Glücksfall und Dörte Herold für Beyer. Seit Oktober betreut sie den neuen Geschäftszweig mit Leidenschaft, Visionen und viel Freude. «Die Zukunft gehört der Vergangenheit», ist Dörte Herold überzeugt. «Diese individuellen Stücke haben bewiesen, dass sie weit mehr sind als eine Modeerscheinung. Sie haben ihre Zeit überdauert und sprechen eine Sprache, die auch morgen noch verstanden wird.»

Armband, 1920er-Jahre, Platin, besetzt mit Smaragden und Diamanten (ca. 3,8 ct), 25'900 Franken
Anhängeruhr, Art déco, Uhr von C.H. Meylan, Genf, Platin, ausgefasst mit Diamanten (ca. 4,9 ct), 31’800 Franken

Wie eine Flaschenpost.

Vor allem aber erzählt jedes Vintage-Einzelstück seine ureigene Geschichte. Einem solchen Bijou zu begegnen, sei, wie eine Flaschenpost zu finden, sagt Dörte Herold: Stets spiele ein kleines Geheimnis mit. Und oft sei nicht nur die Geschichte des Schmuckstücks spannend, sondern auch die seiner Besitzerin. So geschehen vor einigen Wochen: Eine Frau brachte einen Ring zum Schätzen, den sie von ihrer Grossmutter geerbt hatte. Sie habe ihn bereits einem Altgoldhändler gezeigt, der ihr 500 Franken geboten hätte. Bei Beyer nahm man es genauer, reinigte den Ring im Ultraschallbad, analysierte ihn unter dem Mikroskop und war entzückt ob dem gelblichen Diamant von nahezu 3,5 Karat. Atelierchef Carlo Mutschler schätzte den Ring auf über 10 000 Franken. Die Kundin fiel aus allen Wolken. Nach zwei Tagen Bedenkzeit nahm sie das Angebot an – und investierte das Geld flugs in neuen Wellendorff-Schmuck.

Starkes Beyer-Team.

Das sei eben die grosse Stärke von Beyer, sagt Dörte Herold: «In diesem Haus gibt es nicht nur die technischen Mittel, um einer alten Uhr oder einem Schmuckstück auf den Grund gehen zu können. Beyer hat auch kompetente Mitarbeitende, die zu recherchieren verstehen und das Objekt und seinen Wert im heutigen Markt einzuordnen wissen.» Darum sei ihr Ziel realistisch, sagt Dörte Herold und schmunzelt: «Bis in ein oder zwei Jahren soll Beyer die Zürcher Anlaufstelle für Leute sein, die Vintage-Schmuck verkaufen oder erwerben wollen. Weil sie wissen: Hier bekommen sie eine ehrliche, kompetente Beratung – und so besonderen Vintage-Schmuck wie sonst nirgends.»

Brosche, Frankreich, um 1900, Silber und Rotgold, besetzt mit Rubinen, einem Saphir und Diamanten (ca. 1,7 ct.), 24'300 Franken

Text: Matthias Mächler
Fotos: Sandra Kennel

Beyer Chronometrie