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Uhrenmuseum Neuerwerbungen 2021

Die Sammlung des Uhrenmuseums Beyer umfasst über 1000 Uhren und Zeitmessgeräte. Jährlich kommen ca. ein Dutzend Neuerwerbungen dazu, so auch 2021. Die neuen Objekte werden jeweils in einer Sonderausstellung gezeigt. Email-Uhren und Taschenuhren aus der Zeit des Fin-de-Siècle sind ebenso dabei wie Armbanduhren von den 1910er bis zu den 1970er Jahren. Viele unserer neuen Trouvaillen erzählen eine besondere Geschichte - so wie die Taschenuhr von Waltham Riverside, die ein Geschenk war für einen Hochseekapitän oder die Armbanduhr "Accutron Spaceview" mit dem legendären Stimmgabelwerk.

Neuerwerbungen - Ausstellung 9. Mai bis 4. September 2022

Taschenuhr aus Gelbgold mit Werk von Excelsior Park, St. Imier, Schweiz um 1900.
Inv. 20057152

Am 21. März 1891 stellte das «Bureau Fédérale de la propriété intellectuelle » (Institut für geistiges Eigentum) dem Hause Albert Jeanneret et Frères ein Patent für ihr Chronographenwerk «Excelsior Park» aus. Die Familie Jeanneret war bereits seit 1866 tätig und spezialisierte sich auf Sportuhren und Chronographen. Diese unsignierte Taschenuhr aus St. Imier funktioniert nicht nur als Chronograph, sondern auch als Pulsometer. Diese praktische Funktion eines Chronographen kam um die Jahrhundertwende auf: Nach 20 Pulsschlägen zeigt der grosse Zeiger auf dem Zifferblatt die Pulsschläge pro Minute an. Die Taschenuhr könnte also ursprünglich einem Arzt, einer Krankenschwester oder Hebamme gehört haben. Nicht nur der Pulsmesser war äusserst praktisch, sondern auch ein weiteres Detail. Auf einer Brücke findet sich die spanische Aufschrift «debajo de este puente hay piezas de recambio» – auf Deutsch: «unter dieser Brücke gibt es Ersatzteile», bei Schäden an der Uhr oder zur Wartung konnte der Nutzer oder die Nutzerin hier also Abhilfe finden.

Schützengrabenuhr aus Silber von Omega, La Chaux-de-Fonds, Schweiz 1910er Jahre.
Inv. 20058860

Diese Uhr aus den 1910er Jahren trägt ein Gitter über dem Zifferblatt, das speziell zum Schutz in unruhigen Zeiten angefertigt wurde. Dieser Zeitmesser stammt wie viele frühe Herrenarmbanduhren aus dem militärischen Kontext. Vermutlich wurde sie während des ersten Weltkriegs von einem Soldaten getragen. Die Anstösse sind sehr fein und könnten auch an eine Taschenuhr gelötet worden sein, um diese zum einfacheren Ablesen der Zeit im Kriegsgeschehen am Arm tragen zu können. Das Band ist original nicht mehr erhalten und wurde zu späterer Zeit ersetzt. Das Schutzgitter lässt sich entfernen, darunter besitzt die frühe Uhr ein einfaches Zifferblatt mit kleiner Sekunde mit der Markensignatur Omega, die auch auf dem Werk zu finden ist.

Armbanduhr «Incabloc» aus Edelstahl von Empire, Schweiz 1930er Jahre.
Inv. 20058862

Bei dieser Armbanduhr aus den 1930er Jahren sticht neben der rechteckigen und gewölbten «Curvex»-Form des Gehäuses auch das Zifferblatt ins Auge: Zwei separate, übereinanderstehende Anzeigen zeigen Stunden und Minuten (oben) sowie unterhalb die Sekunden. Diese Anzeige war damals typisch für die sogenannte «Ärzte-Uhr». Sie sollte es medizinischem Personal erleichtern, Patientinnen und Patienten den Puls zu messen. Ein mechanisches Qualitätsmerkmal dieser Armbanduhr ist die Stosssicherung, ein Element, das dem Uhrwerk mehr Stabilität verleiht – sicher auch ein Vorteil beim Tragen im hektischen Berufsalltag. Ursprünglich geht die Stosssicherung auf eine Erfindung des berühmten Uhrmachers Abraham-Louis Breguet, der sie «Parachute» - Fallschirm – nannte. Eine sehr passende Bezeichnung, da sie beispielsweise bei einem hinunterfallen der Uhr das feine mechanische Räderwerk vor Schaden schützen sollte. In dieser Armbanduhr findet sich das «Incabloc Shock Protection System», kurz Incabloc genannt, das ab 1934 genutzt wurde und bis heute zum Einsatz kommt.

Armbanduhr Accutron aus Gelbgold und Edelstahl von Bulova, Schweiz und USA 1970er Jahre.
Inv. 20058861

Die Marke Bulova brachte mit dem hier ausgestellten Modell «Accutron» die erste Armbanduhr mit einem sogenannten Stimmgabelwerk auf den Markt. Das durchsichtige Zifferblatt gibt einen guten Einblick in ihr Inneres: Im oberen Bereich, direkt unter dem Markenlogo sticht die mit rötlichem Draht umwickelte Stimmgabel ins Auge. Diese gab der Uhr nicht nur ihren Namen, sondern bestimmte auch das Logo von Bulova, das ebenfalls wie eine Stimmgabel aussieht. Im Bestreben, die mechanische Zeitmessung präziser zu machen, wurden ab den späten 1940er Jahren solche und andere elektronischen Uhren entwickelt, die später grösstenteils von den hochpräzisen Quarzwerken abgelöst wurden. Im Fall der Stimmgabeluhr versetzt eine Batterie die mit hauchdünnem Draht umwickelte Gabel in Schwung und deren Impulse werden über den Draht und einen künstlichen Rubin weitergeleitet auf ein winzig kleines Zahnrad. Deshalb nennt man das Werk auch elektromechanisch. Die neue Funktionsweise wirkt sich nicht nur auf das Aussehen der Uhr aus: Da diese anders reguliert wird als die klassischen mechanischen Zeitmesser mit Feder, Unruhe und Hemmung tickt sie nicht, sondern summt! Das von Auge nicht sichtbare Schwingen der Gabel erzeugt nämlich ein summendes Geräusch – so warb der in den USA und der Schweiz tätige Hersteller Bulova mit dem Slogan «The watch that hums!» für seine Innovation.

Taschenuhr Savonnette aus Gelbgold von Waltham Riverside, Waltham (Massachusetts), USA 1899.
Inv. 20056386

Inschriften auf antiken Uhren geben oft wichtige Hinweise auf ihre Geschichte. Diese Uhr ist in der Hinsicht besonders ergiebig, da sie mehrere Inschriften aufweist. Auf dem Zifferblatt steht: «Benedict Brothers New York», die sogenannte Händlersignatur. Sie verrät, wo dieser Zeitmesser verkauft wurde. Das Uhren- und Juweliergeschäft Benedict Brothers war ein traditionsreiches Familienunternehmen und über 100 Jahre lang in New York tätig, bis es Ende des Jahres 1938 schloss. Den Hersteller der Taschenuhr finden wir auf dem Werk: Die «A. W. W. Co. Riverside Waltham Mass.», die American Waltham Watch Company in Massachusetts, war eine wichtige und grosse US-amerikanische Manufaktur, die sich unter anderem auf Eisenbahnuhren spezialisierte. Diese Uhr gehörte dem 1. Offizier des damals grössten deutschen Passagierschiffs «S. S. Auguste Victoria», das von Hamburg nach New York übersetzte. Ein Artikel in der New York Times vom 1. November 1899 dokumentiert den Vorfall, der zur Schenkung der Uhr führte. Demnach eilte der 1. Offizier J. Eckhorn dem dänischen Dampfer «Polarstjernen» zu Hilfe, als dieser in Seenot geriet. Trotz hoher See fuhr der Offizier mit einem Rettungsboot hinaus, um die Mannschaft des Dampfers auf sein Schiff zu holen. Die Mannschaft wollte jedoch den «Polarstjernen» nicht verlassen und dieser musste schliesslich zu einem späteren Zeitpunkt von einem anderen Dampfschiff abgeschleppt werden. Nichtsdestotrotz ehrten die Passagiere der Auguste Victoria ihren 1. Offizier für seine Hilfsbereitschaft. Auf dem Gehäuseboden der Taschenuhr lesen wir die Widmung: «To 1st Officer J. Eckhorn, from the passengers of the S. S. “Auguste Victoria” to commemorate his gallant conduct in boarding the disabled Danish steamer “Polarstjernen”, October 26 1899».

Unsignierte Taschenuhr aus Gelbgold von Ad. Laux mit Box, Zürich, Schweiz um 1900.
Inv. 20057153

Die Chronometrie Beyer gilt als ältestes Uhrenfachgeschäft der Schweiz und unterhielt ab Mitte des 19. Jahrhunders ein Geschäftslokal im Zürcher Niederdorf mit Schaufenster am Limmatquai. Einige Zeit später, als Beyer bereits an die Bahnhofstrasse umgezogen war, geschäftete die Zürcher Bijouterie «Ad. Laux» am Limmatquai 8. Sie führte gemäss einer Anzeige in der Zeitschrift Nebelspalter Genfer Taschenuhren, Schmuck und Uhrenketten. Diese Uhr wird durch ein Chronometerwerk mit Ankerhemmung angetrieben und trägt die Händlersignatur «Horlogerie Ad. Laux Zürich» auf dem Gehäuseboden. Die dazugehörige Box ist original, wie die Inschrift «Ad. Laux, Horlogerie-Bijouterie, Zürich 1, Limmatquai 8» im Inneren des Deckels zeigt.

Armbanduhr Centenaire “61” aus Gelbgold von Eterna, Grenchen, Schweiz 1961.
Inv. 20057625

Speziell am Werk der Eterna Matic Uhren ist der typische Aufzugsmechanismus mit Kugellagerrotor. Ein vergrössertes Modell dieses Mechanismus sehen Sie am Empfang des Museums. Der Rotor ist sehr flach und somit besonders für kleine Armbanduhren und Damenuhren geeignet. Die Kugeln aus dem Rotor waren auch die Inspiration für das Eterna-Logo mit den fünf Punkten. Attraktiv an diesem Objekt ist weiter die Datumsanzeige bei drei Uhr. Diese Armbanduhr «Centenaire “61” de Luxe» trägt auch die Händlersignatur «Beyer» auf dem vergoldeten Zifferblatt. Sie wurde im Juli 1962 im Laden der Beyer Chronometrie verkauft.

Armbanduhr aus Gelbgold von IWC, Schaffhausen, Schweiz um 1951.
Inv. 20055738

Diese schlichte Armbanduhr von IWC Schaffhausen datiert von 1951. Ein Jahr später, im Februar 1952 wurde sie im Laden der Beyer Chronometrie an einen Kunden aus Italien verkauft. Davon zeugt die Händlersignatur «Beyer» auf dem versilberten Zifferblatt direkt über der kleinen Sekunde. IWC, damals noch «International Watch Co.» Schaffhausen war für Beyer schon damals eine wichtige Partnermarke. Bis in die 1960er Jahre war es üblich, die Händlersignatur auf dem Zifferblatt festzuhalten, da dieser oft bekannter war als die Marke. 70 Jahre nachdem sie verkauft wurde, gelangte die Uhr 2021 wieder in die Sammlung des Uhrenmuseums Beyer.

Armbanduhr Princess aus Weissgold von Rolex, Genf, Schweiz um 1926.
nv. 20058599

Das schmale Zifferblatt dieser feinen Damenuhr mit rechteckigem Gehäuse ziert nicht nur der Markenname «Rolex», sondern auch die Händlersignatur «Beyer». Bei wichtigen Partnermarken war es bis in die 1960er Jahre üblich, den Händler zu nennen, da dieser damals oft bekannter war als die Marke selbst. Wir wissen dadurch, dass diese Uhr in den 1920er Jahren im Geschäft der Beyer Chronometrie verkauft wurde. Neben der Händlersignatur besticht dieser Zeitmesser durch eine mit zehn glitzernden Diamanten verzierte Lunette. Auf dem Werk wird das Modell näher bezeichnet: «Princess», ein damals hochmodernes Design, das Rolex analog zu den hochwertigen «Prince» Herrenuhren lancierte. Die Marke warb dafür 1930 mit folgendem Slogan: «Rolex – Précision – Princesse – Elégance».

Unsignierte Email-Taschenuhr, geschätzt um 1760, Ort unbekannt, mit Etui aus Rochenleder. Box und Schlüssel nicht original.
Inv. 20057648

Diese Taschenuhr ist reich verziert mit feinen Emailmalereien. Ihre Besitzerin oder ihr Besitzer zog sie mit einem Schlüssel auf, der jedoch nicht mehr erhalten ist. Die Datierung und Herkunft der Uhr sind nicht überliefert, vermutlich entstand sie um 1760. Speziell ist ihr Übergehäuse aus Rochenleder, ein sehr seltenes und erst ab dem 18. Jahrhundert in Europa gebräuchliches Material. Dieses schützt das empfindliche Emailgehäuse beim Tragen der Uhr. Wird das Übergehäuse abgenommen, zeigt die Hinterseite des Gehäuses eine Szene zwischen einem Mädchen mit Blumenkorb und einem kleineren Jungen. Auf der Seite und innen am Gehäuse ist eine Landschaft mit rotbedachtem Haus zu sehen. Die runde Box und der Schlüssel stammen aus späterer Zeit.

Unsignierte Anhängeruhr aus Gelbgold und Silber mit Chatelaine, Schweiz um 1900.
Inv. 20056353

Wie in früheren Zeiten üblich, wurde diese Anhängeruhr von Damen der Gesellschaft am Körper getragen. Mit einer Halterung aus zwei Nadeln, wurde sie wie eine Brosche ans Kleid geheftet. Die Chatelaine, eine kurze, mit Diamanten und Safiren verzierte Kette, passt perfekt zur Hinterseite des Gehäuses. Zum ablesen der Zeit wird die Uhr gedreht, dann zeigt sich ein schlichtes, weisses Zifferblatt aus Email mit ziselierten Zeigern. Das Werk der kleinen Uhr aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende wird von Hand aufgezogen.

Taschenuhr aus Gelbgold von Maurice Ditisheim mit Box und Uhrenkette, La Chaux-de-Fonds, Schweiz um 1890.
Inv. 20057143

Die halboffene Lépine Uhr besitzt ein Goldgehäuse. Auf dem mit Blumenornament verzierten Zifferblatt wird die kleine Sekunde angezeigt. Die fein ziselierten Zeiger sind mit Steinchen besetzt. Zur Aufbewahrung legte der frühere Besitzer der Taschenuhr sie in eine Box aus Holz mit blauem Innenfutter. Im Deckel ist sein Name angebracht: «Bendicht Steimann», der ebenfalls im Monogramm «BS» auf dem hinteren Gehäusedeckel erscheint. Die zur Uhr gehörende Kette besteht aus Menschenhaar. Schmuck aus Haaren war typisch für die Mode der Biedermeierzeit und das 19. Jahrhundert. Teilweise wurden solche Ketten von Frauen für ihre Männer geflochten. Sie konnten aber auch fertig gekauft werden. Die Familie Ditisheim in La Chaux-de-Fonds brachte grosse Uhrmachertalente hervor. Maurice Ditisheim, der Urheber dieser Taschenuhr, gründete 1858 die Firma «Maurice Ditisheim», die sich später mit «Ditisheim & Frères SA» zusammenschloss und auf Marinechronometer spezialisierte.

Wir freuen uns, Sie hoffentlich bald in unserem Uhrenmuseum begrüssen zu dürfen.

Beyer Chronometrie